Untersuchung von kritischen Schritten im Kompetenzerwerb und Bewältigungsstrategien für M4

Die einzelnen Kompetenzbereiche bergen gewisse Aspekte, die sich immer wieder für viele Schüler/innen als besondere Herausforderungen erweisen. Jede Lehrerin/jeder Lehrer hat sicherlich spezifische Erfahrungen damit – und die müssen sich nicht zwingend decken, denn zu einem gewissen Grad hängt es auch von der Lehrkraft und ihrer Unterrichtsgestaltung ab, womit sich die Schüler/innen leichter oder schwerer tun.

Im Erfahrungsaustausch mit Kolleg/inn/en kann man identifizieren,

  • was den Schüler/inne/n besondere Schwierigkeiten bereitet,
  • welche häufigen Missverständnisse und Fehler den weiteren Lernerfolg blockieren können,
  • welche Aspekte vielleicht nicht schwierig, aber so zentral für den weiteren Kompetenzerwerb sind, dass sie gut beherrscht und besonders beachtet werden sollen,
  • welche Bewältigungsstrategien die Schüler/innen haben und
  • wie man sie dabei unterstützen kann.

In weiterer Folge geht es dann um die Frage:


An expliziten Diagnosetools steht z.B. IKM zur Verfügung. Um herauszufinden, ob bestimmte Lernschritte erfolgreich bewältigt wurden, gibt es allerdings eine Reihe von Möglichkeiten, die auch direkt im Unterricht angewendet werden können: Beobachtungsbögen, Lerntagebücher, Selbsterklärungen etc. (mehr in: Pädagogische Diagnostik. Zu den verschiedenen Zielrichtungen von Diagnose siehe auch Kompetenzorientierter Unterricht in Theorie und Praxis, Seite 114ff).

 Ein praktikables Instrument für die laufende Lernstandsdiagnose, mit überschaubarem Vor- und Nachbereitungsaufwand für die Lehrer/innen und ohne unnötigen Leistungsdruck für die Kinder, stellt z.B. der „Mathebriefkasten“ dar. Zu einer vorgegebenen Aufgabenstellung, deren Bearbeitung nicht länger als fünf bis zehn Minuten in Anspruch nehmen sollte, halten die Kinder ihre individuellen Aufgabenbearbeitungen und Erklärungen auf Papier fest. Die Lehrkraft erhält so innerhalb kürzester Zeit einen guten Einblick in die individuellen Lernstände.

Zusätzlich kann die Beobachtung der Kinder immer dann erfolgen, wenn sie im Unterricht selbstständig arbeiten. Dafür eignen sich alle Aufgabenstellungen, bei denen die Denkwege und Lösungsstrategien der Schüler/innen für Lehrer/innen gut sichtbar werden. Dazu gehören z.B. die sogenannten produktiven oder selbstdifferenzierenden Aufgabenstellungen (Hinweise dazu finden sich im Abschnitt Inhaltliche Betrachtung des Unterrichts entlang der Kompetenzensystematik).

Es ist wichtig, die Anzeichen für Verständnis- oder Rechenschwierigkeiten rechtzeitig zu erkennen. Sie deuten oft auf eine Interaktions- oder Kommunikationsstörung zwischen Lehrer/in und Schüler/in hin, der man im Unterricht entgegenwirken kann. „Fehler“ sind wichtige Informationsquellen beim Erforschen der Denkwege von Schüler/innen. Ungünstige Präkonzepte und Fehlkonzepte sind kein Zeichen von mangelnder Intelligenz, sondern entstehen durch kreative Versuche der Schüler/innen sowohl der neu aufgenommenen Information als auch dem bisherigen Wissen so weit wie möglich Rechnung zu tragen. Vermieden bzw. überwunden werden können sie durch authentische Problemstellungen und Beispiele, Möglichkeit zum Experimentieren und Ausprobieren, konzeptuelles Lernen (statt verständnisloses Auswendiglernen) mit gezielter Integration und Vernetzung des Gelernten mit bereits Bekanntem.

Auf den Seiten des Recheninstituts zur Förderung mathematischen Denkens findet man sowohl eine Auflistung von typischen Schwierigkeiten in den einzelnen Schulstufen als auch eine Reihe von Fördertipps.

Zuletzt geändert: Donnerstag, 20. Dezember 2018, 21:44