Zusammensetzung der Schüler/innenpopulation

Faktoren wie Herkunft der Schüler/innen oder sozioökonomischer Hintergrund spielen mitunter eine wesentliche Rolle im Bildungserwerb. Im „fairen Vergleich“ werden sie daher auch berücksichtigt. Darüber hinaus sollten sie eher nicht als Erklärungsfaktor für das Überprüfungsergebnis herangezogen werden. Denn es ist Teil der Professionalität von Lehrer/inne/n und Schulleiter/inne/n auf die konkreten Voraussetzungen der Schüler/innen einzugehen. In diesem Fall geht es um die Frage:

 

Dazu muss man versuchen viel über die Schüler/innen in Erfahrung zu bringen:

Wo genau stehen sie in ihrer Kompetenzentwicklung? Dabei hilft z.B. IKM, aber auch die genaue Beobachtung während des Unterrichts oder gezielte Analysen von Hausübungen (mehr dazu siehe Abschnitt Untersuchung von kritischen Schritten im Kompetenzerwerb und Bewältigungsstrategien für Deutsch, M4 oder M8).

Einige Institutionen bieten spezielle Materialien für den Unterricht mit Schüler/innen, die die Unterrichtssprache nicht oder nur wenig beherrschen (siehe eigenen Abschnitt in den weiterführenden Hinweisen).

Für Deutsch siehe insbesondere:

Für Mathematik sei besonders hingewiesen auf:

  • Kleiner MATHE-Sprachführer mit Kopiervorlagen, didaktischen Kommentaren und einem Begriffslexikon in Deutsch, Russisch, Türkisch und Arabisch. Konzipiert für die Grundschule, prinzipiell aber auch noch in der Sekundarstufe 1 verwendbar
  • Praxisheft 22 des ÖSZ zum sprachsensiblen Unterricht in der Grundschule, in dem unterstützende Ansätze und Maßnahmen (Seite 9f) und ihr Einsatz im Unterricht (Seite 12ff) dargestellt werden
  • Praxisheft 23 des ÖSZ mit Fördertipps (Seite 11ff), Methoden und anschaulichen Beispielen (Seite 14ff) für den sprachsensiblen Unterricht in der Sekundarstufe
  • mathematische Vokabelhefte (siehe z.B. Praxishandbuch für Mathematik 8. Schulstufe, Band 2, Seite 79) 
  • Wortspeicher bei PIKAS (Achtung: Bei diesem Beispiel für die 1. Schulstufe entsprechen einige Begriffe nicht dem österreichischen Sprachgebrauch und müssen umgeändert werden: „der Junge“, „die Eins“, …)

Abgesehen von den sprachlichen bzw. daraus resultierenden fachlichen Herausforderungen sind Schüler/innen mit Migrationshintergrund häufig auch im Alltag mit schwierigen Umständen konfrontiert, die Auswirkungen auf ihre schulische Leistungsfähigkeit haben. Im direkten, einfühlsamen Gespräch mit ihnen und/oder ihren Eltern kann sich z.B. herausstellen, dass ihr Rechtsstatus noch unsicher ist, dass sie in schwierigen sozioökonomischen Verhältnissen leben, allenfalls verbunden mit einer beengten Wohnsituation, dass ihnen Unterschiede in Kultur und Sozialisation in alltäglichen Situationen zu schaffen machen und sie sich womöglich deswegen sogar aus Bereichen des Alltagslebens ausgeschlossen fühlen. Mithilfe dieser Informationen kann man besser nachvollziehen, mit welchem „Rucksack“ die einzelnen Schüler/innen in der Klasse sitzen, und wie ihr Verhalten zu verstehen ist.

Anschließend braucht man wahrscheinlich eine gewisse Portion Einfallsreichtum und Mut zum Experimentieren, um wirksame Verfahren bei der Unterstützung dieser Schüler/innen zu entwickeln, die über das übliche Repertoire hinausgehen. Wichtig ist es, einerseits die Verantwortung für ein passendes Lernangebot konsequent an sich zu nehmen, gleichzeitig aber die Schüler/innen nicht zu entmündigen, sondern in eine aktive Rolle zu bringen.

Rahmenbedingungen wie Ressourcen oder räumliche Gegebenheiten werden nicht oder nur zum Teil an der Schule bestimmt und meistens als verbesserungswürdig empfunden. Innerhalb dieser Gegebenheiten gibt es jedoch ein breites Feld für die konkrete Gestaltung des Alltags, dessen Wirkkraft man nicht unterschätzen sollte. Es geht also auch darum, Faktoren der Selbstwirksamkeit zu erkennen und Wege der Umsetzung zu finden.

Auch das Verhältnis zwischen Lehrer/in bzw. Schule und Eltern ist – gerade in diesem Zusammenhang – ein wichtiger Faktor, den zu beachten sich lohnt. Manche Schule hat sich – etwa über den „Umweg“ von Sprachkursen für Eltern in Kooperation mit örtlichen Erwachsenenbildungseinrichtungen – eine gute Basis für Gespräche und gemeinsame Arbeit mit den Eltern geschaffen. Das kann viel bewirken im gemeinsamen Bestreben, die Jugendlichen dabei zu unterstützen einen guten Platz in unserer Gesellschaft zu finden. So weisen z.B. Forschungsergebnisse aus den USA darauf hin, dass Professionalität in der Elternarbeit einen wesentlichen Beitrag zum Schulerfolg der Schüler/innen leistet - besonders bei Familien aus sozioökonomisch benachteiligten Milieus (siehe „Families In Schools“ auf Seite 14 des Policy Brief #3 zu Migration und Mehrsprachigkeit).
Zuletzt geändert: Donnerstag, 20. Dezember 2018, 21:50