Genauere Analyse, Hypothesen bilden, weitere Vorgangsweise entwickeln

Jetzt geht es in die Tiefe der Analyse und der inhaltlichen Auseinandersetzung, um konkrete Schlussfolgerungen für das eigene Handeln zu ziehen:

1)  Analyse und inhaltliche Vertiefung, Hypothesen über Ursachen und Ansatzpunkte finden

Jene Datenkonstellationen, die man im vorhergehenden Arbeitsschritt ausgewählt hat, werden jetzt einer genaueren Analyse unterzogen um zu erforschen, welche Faktoren hier wirken und inwiefern der eigene Unterricht zu diesem Ergebnis beigetragen hat. Dabei gibt es unterschiedliche Ansatzpunkte, je nachdem, wo man die Ursachen vermutet. Zur Auswahl stehen zum Beispiel:

Falls sich im Lauf der Analyse Bedarf zeigt zu bestimmten Details zusätzliche Informationen zu gewinnen, lassen sich häufig hilfreiche Daten aus anderen Quellen erschließen: Prüfungsprotokolle, Planungsunterlagen, Lernstandsbeobachtungen, Aufzeichnungen von IKM-Sessions, Schularbeiten, Zeugnisnoten, Schüler/innenfeedback, Beobachtungen im Rahmen einer kollegialen Feedbackgruppe o.Ä.

2)  Ein konkretes Entwicklungsvorhaben auswählen und definieren

Aus den gefundenen Ansatzpunkten werden die erfolgversprechendsten ausgewählt und ein konkretes Entwicklungsvorhaben (bei kleineren Vorhaben können es auch mehrere sein) definiert. Dafür werden die Ziele genau formuliert und benannt, woran man die Zielerreichung erkennen kann; konkrete erste Schritte der Umsetzung werden inhaltlich und organisatorisch konzipiert; die benötigte Unterstützung benannt und gesucht; gegebenenfalls erfolgt die Anmeldung zu einschlägigen Fortbildungsveranstaltungen; sofern noch nicht vorhanden werden professionelle Lerngemeinschaften gegründet; Art und Zeitpunkt für erstes Feedback und Reflexion werden festgelegt. Die weitere Planung erfolgt dann wahrscheinlich rollend.

Größeren Vorhaben sollte man einen Zeithorizont von mindestens zwei Jahren gewähren. So lange dauert es erfahrungsgemäß, bis sich Neuerungen nachhaltig etablieren.

Anmerkungen:

Es gibt sicherlich Einflussfaktoren, die außerhalb des eigenen Unterrichts liegen. Die kann man in den Blick nehmen und versuchen Handlungsansätze zu finden, soweit es eben möglich ist. Jedenfalls sollte man aber Ansätze im eigenen Wirkungsbereich suchen, das ist in der Regel am effektivsten, weil direkt steuerbar.

Die Überprüfung der Bildungsstandards erfolgt am Ende der 4. Klasse, die Ergebnisse werden geraume Zeit später rückgemeldet. Sie zielen nicht darauf ab, den Kompetenzerwerb der getesteten Schüler/innen zu verbessern (die ja oft gar nicht mehr an der Schule sind), dafür gab es andere Möglichkeiten (z.B. IKM). Jetzt geht es darum, mögliche Handlungsfelder für die Weiterentwicklung der Unterrichtspraxis und/oder der schulischen Rahmenbedingungen für die Gegenwart und Zukunft zu identifizieren. Die Rückmeldung der Bildungsstandardsüberprüfung kann aufzeigen, wenn bei bestimmten Kompetenzbereichen, Schüler/innengruppen oder sonstigen Konstellationen besondere Aufmerksamkeit angebracht ist. Diese Erkenntnisse lassen sich bei der Planung und Durchführung des künftigen Unterrichts nutzen.

Dennoch kann eine Analyse des tatsächlich realisierten Unterrichts in der damals überprüften Klasse hilfreich sein, um Details der Fragestellungen zu erforschen. Dafür ist es günstig, wenn halbwegs ausführliche Unterlagen über Unterricht und Lernstand der Schüler/innen vorhanden sind. Oder man kann Kontakt aufnehmen mit den überprüften Schüler/inne/n, wenn bekannt ist, wo sie jetzt sind: Wie geht es ihnen in ihrer aktuellen Ausbildungssituation? Können sie aus heutiger Sicht sagen, was sie damals in ihrem Lernen besser unterstützt hätte? Was ihnen besonders geholfen hat?

Die Suche nach Ursachen sollte nicht in Schuldzuweisungen an Personen oder Personengruppen münden. Das greift sicherlich zu kurz. Vielmehr geht es um eine sachbezogene Analyse, die das Zusammenspiel vielfältiger Faktoren beleuchtet. Wesentlich ist, dass Gestaltungsspielräume eröffnet und genutzt werden.

Zuletzt geändert: Freitag, 14. Dezember 2018, 08:59