Die Rückmeldung lesen

Vor der genaueren Analyse geht es zuerst einmal darum, die Rückmeldung in all ihren Details zu erfassen und zu verstehen:

1) Sich einen ersten Eindruck verschaffen

Bei einer ersten Lesung lassen sich Auffälligkeiten identifizieren:

  • bei den schüler/innenbezogenen Daten (demografische und sozioökonomische Merkmale, Wohlbefinden, motivationale Merkmale)
  • bei den Daten zu den Kompetenzbereichen
  • bei den Subgruppenvergleichen.

Die vorher formulierten Erwartungen können hilfreiche Bezugspunkte liefern: Wo gibt’s überraschende bzw. auffällige Differenzen zu den erwarteten Ergebnissen? Entspricht die Streuung dem eigenen Eindruck von der Klasse? Das Ergebnis der überprüften Klasse ist auch als Teil des Schulergebnisses zu betrachten, es gibt Zusammenhänge, wechselseitige Einflussfaktoren u.Ä. Ab M4 2018 enthält der Bericht ein eigenes Kapitel zu Lernwirksamkeitsfaktoren des Unterrichts: Entspricht die Einschätzung der Schüler/innen der eigenen?

2) Die Aussagekraft der Überprüfungsergebnisse einschätzen

Wenn man aus der Rückmeldung Erkenntnisse über die Wirkung des eigenen Unterrichts gewinnen will, lohnt es sich zunächst über den möglichen Einfluss folgender Faktoren nachzudenken: die Rolle anderer Unterrichtsgegenstände beim Erwerb der gegenständlichen Kompetenzen, wie lange man selbst in der Klasse unterrichtet hat, ob die Schüler/innen Lernhilfe in der Nachmittagsbetreuung oder durch Nachhilfe erhalten haben, das häusliche Umfeld der Schüler/innen, eine allfällige Beeinträchtigung der Überprüfungssituation (siehe Fragen zur Testsituation) etc.

Jedoch: In erster Linie geht es darum, Informationen über den eigenen Unterricht herauszulesen – denn nur dort kann man selbst wirksam Einfluss nehmen.

3) Detaillierte Ergebnissichtung

Nun kann man die einzelnen Darstellungen genau lesen und miteinander in Verbindung setzen. Leitfragen dafür gibt es direkt in der Rückmeldung, oder in ausführlicherer Form unter Leitfragen und Interpretationsbeispiele. Das mündet in:

  • Stärken und Schwächen erkennen, allfällige Handlungsfelder orten 
  • Identifizieren, wo Informationen zu eigenen inhaltlichen oder methodischen Schwerpunktsetzungen oder zu laufenden Entwicklungsvorhaben der Schule enthalten sein könnten 
  • Den Fokus auf einige spezielle Datenkonstellationen setzen, die genauer analysiert werden sollen 

In einem Gespräch mit der Schulleitung wird das Ergebnis der überprüften Klasse reflektiert, der Zusammenhang zum Schulergebnis hergestellt und die weitere Vorgangsweise besprochen.

4)  Partner/innen für die weitere Arbeit gewinnen

Die Analyse des Unterrichts kann sich als durchaus anspruchsvoll erweisen. Es ist sicherlich leichter, zeitsparender und auch erfreulicher diese Tätigkeiten gemeinsam mit anderen durchzuführen, z.B. mit (Fach-)Kolleg/inn/en an der Schule. Das begünstigt auch die notwendige Unvoreingenommenheit und Tiefenschärfe. Es setzt allerdings ein vertrauensvolles Klima voraus, in dem man sich wirklich dem Erforschen widmen kann und nicht das Bedürfnis nach Rechtfertigung hat.


Anmerkungen:

Die Rückmeldungen enthalten übersichtliche Darstellungen von statistischen Fakten und Relationen. Die Bedeutung davon erschließt sich erst, wenn diese Daten in ihren Kontext gestellt, mit den konkreten Schüler/inne/n, der Klassensituation, dem eigenen Unterricht in Verbindung gesetzt sowie mit eigenen Fragestellungen verknüpft werden.

Wenn das Ergebnis der Bildungsstandardsüberprüfung unerwartete oder gar unerfreuliche Aspekte enthält, ist das als eine Art Blinklicht zu betrachten, das dazu auffordert genauer hinzusehen: Gibt es hier etwas zu entdecken, das in der weiteren Arbeit zu berücksichtigen ist?

Die Arbeit mit den Ergebnissen wird in der Realität wahrscheinlich kaum losgelöst, sondern eingebettet in die laufenden Entwicklungsaktivitäten an der Schule erfolgen (z.B. Leseschwerpunkt, Neue Lernkultur, standardisierte Reifeprüfung, …), samt Abbildung im SQA-Entwicklungsplan.

Es ist wichtig, während der Rezeption und Analyse der Überprüfungsergebnisse zuerst das gesamte Feld der Fragestellungen zu öffnen und keine schnellen Schlüsse zu ziehen. Sonst besteht die Gefahr, dass man gewohnte Erklärungsmuster reproduziert und nicht wirklich zu neuen Erkenntnissen gelangt.

Zuletzt geändert: Donnerstag, 20. Dezember 2018, 21:29