Unterricht im Fokus

Die Unterrichtsentwicklung steht im Zentrum von SQA. Sie ist, da sie gemeinsam verantwortet und umgesetzt wird, sinnvoller Weise nicht von Aspekten der Organisationsentwicklung, der Kooperation und der Arbeit im Team zu trennen. Hier sollen exemplarisch besonders wirksame Methoden und Vorgehensweisen beschrieben werden.

Lesson Study

Lesson Study – übersetzt etwa: „Unterrichtserforschung“ – ist eine besonders wirksame, evidenzbasierte Methode, um Unterricht weiterzuentwickeln. Sie stellt eine Form der kooperativen Aktionsforschung dar (und kann daher auch als Spezialform der Peer-Evaluation oder kollegialen Unterrichtsbeobachtung gelten), mit dem Fokus auf die Verbesserung des Lernens und Lehrens .

Lesson Studies stellen darauf ab, das durch Wahrnehmungsfilter der Lehrer/innen „gefilterte“ und damit unbewusste Unterrichtsgeschehen in einer kontrollierten Weise sichtbar zu machen. So werden Schüler/innen und Lehrer/innen im Rahmen von Lesson Studies genauer beobachtet, als dies normalerweise möglich ist. Die Annahmen der Lehrer/innen zu ihrem Unterricht können in der Folge mit dem tatsächlichen Geschehen verglichen werden. Dies führt zur Weiterentwicklung praktischen Lehrer/innenwissens, das durch Lesson Studies explizit wird:  Lehrer/innen lernen mit- und voneinander mit dem Ziel, den Unterricht so zu verändern, dass die Lernenden besser unterstützt werden.

Durchgeführt werden Lesson Studies in einer Kleingruppe von Lehrerinnen und Lehrern (oder im Tandem, siehe oben), die in einem Zyklus von mindestens drei Unterrichtssequenzen gemeinsam Unterricht planen, durchführen sowie die Wirkungen beobachten und analysieren. Alle Mitglieder des Lehrer/innenteam sind dabei gleichrangig.

Zu Beginn des ersten Zyklus wird der inhaltliche Fokus vom Team festgelegt. Es geht dabei grundsätzlich immer um relevante Fragen des Lernen und Lehrens, mit denen Lehrer/innen tagtäglich zu tun haben. Wichtig ist es, die „Forschungsfrage“ einzugrenzen – je fokussierter, desto mehr erfährt man. Dann wird die Unterrichtssequenz gemeinsam vorbereitet, wobei gezielt Lehrstrategien und -methoden gewählt werden, die das Lernen der Schüler/innen besonders fördern sollen. Dabei kommt es zur ersten Bewusstmachen von Wirkungshypothesen (s. auch hier) sowie der unterschiedlichen Zugänge im Team.

Für die eigentliche Unterrichtsforschung werden Fallschüler/innen ausgewählt, deren individuelles Lernen genau beobachtet wird. Die beforschte Stunde wird durch detaillierte Feldnotizen zum Verhalten und zu den Lernfortschritten der Schüler/innen protokolliert. Im Anschluss an die Unterrichtsbeobachtungen werden zusätzlich Interviews mit Schüler/innen zum Unterricht geführt. Für die Analyse herangezogen werden können auch Arbeiten der Schüler/innen. Abgeschlossen wird ein Zyklus durch eine Nachbesprechung, in der die Wirksamkeit der Unterrichtssequenz anhand der Beobachtungen und Rückmeldungen ausgewertet und reflektiert wird. Dabei ist es wichtig, dass die Lernerfahrungen der Schüler/innen im Vordergrund stehen und diese mit den ursprünglichen Erwartungen der Lehrer/innen verglichen werden. Der gesamte Prozess der drei Sequenzen wird in einem Lesson-Study-Protokoll festgehalten und – in geeigneter Form - auch anderen Interessierten zur Verfügung gestellt.

Mehr dazu:

Lesson Studies als Modell für professionelle Unterrichtsentwicklung: ein Verfahrensvorschlag (Doris Latschen, Gabriele Isak 2016)

Siehe auch die Literaturangaben zu Lesson Study in Weiterführende Hinweise.

Teamteaching

Das Teamteaching ist eine Unterrichtsform, bei der zwei oder mehrere Lehrer/innen eine Unterrichtsstunde oder -einheit gemeinsam vorbereiten, durchführen, auswerten und gegebenenfalls weiterführen. Es ist für die NMS gesetzlich verankert (BGBl Nr. 472/1986 idF BGBl Nr. 36/2012, § 31 a abs. 2 SchUG38), aber auch für andere Schultypen empfehlenswert.

Teamteaching soll insbesondere die Individualisierung des Unterrichts unterstützen – aber auch die Zusammenarbeit und das kollegiale Lernen zwischen den Teamteachingpartner/innen (vgl. auch Peer Tandems). Gelungenes Teamteaching wirkt sich positiv auf das Lernen der Schüler/innen aus und entfaltet eine Dynamik der kooperativen Weiterentwicklung des Unterrichts.

In der Praxis zeigt sich Teamteaching in unterschiedlichsten Settings, Varianten und Formen. Ziel ist, dass der Unterricht tatsächlich gemeinsam vorbereitet, geplant, gestaltet, evaluiert und weiterentwickelt wird. Vorteile sind: die ziel- und zweckorientiert eingesetzte zusätzliche Ressource einer zweiten Lehrperson im Klassenzimmer, eine größere Vielfalt an methodischem Vorgehen, Kompetenzen und Erfahrungen der Lehrpersonen, die kollegiale Beobachtung und Reflexion, das Lernen der beteiligten Lehrkräfte voneinander. Aber: verordnetes Teamteaching ist ohne Vorarbeit wenig effizient bis gar zum Scheitern verurteilt. Es muss Ergebnis eines Teamentwicklungsprozesses sein, der nicht von heute auf morgen umgesetzt werden kann. Teamteaching ist nicht einfach die Fortsetzung des bisherigen Ein-Personen-Unterrichts zu zweit; es muss gelernt werden: Um tatsächlich in förderliche Weise gemeinsam unterrichten zu können, braucht es Offenheit für andere didaktische und persönliche Herangehensweisen, Selbstreflexion und Kritikfähigkeit sowie soziale Kompetenzen  – und eine positive Einstellung zum Teamteaching.

Handreichung Teamteaching 

Siehe auch die Handreichungen in Weiterführende Hinweise!

Last modified: Tuesday, 28 November 2017, 8:52 PM