Besser im Team

Schulentwicklung ist vor allem Teamarbeit, wobei die Zusammenarbeit an der Schule zugleich Mittel und Zweck ist: es braucht sie, damit sich an der Schule etwas bewegt, gleichzeitig ist eine bessere Kooperation auch ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Zu Teamarbeit und interner Kooperation und ihrer Bedeutung für die Schulentwicklung s. auch Partizipation und Kooperation.

Teamarbeit als Herausforderung und Chance

Teamarbeit wird in einer Zeit zunehmender Komplexität zu einer wichtigen professionellen Kompetenz von Lehrerinnen und Lehrern. Es braucht sie, um den schwieriger werdenden Voraussetzungen in Schule und Unterricht professionell zu begegnen. Je mehr autonome Entscheidungen den Schulen überantwortet werden, desto mehr Teamleistung ist von Lehrerinnen und Lehrern gefordert. Sie ist eine Arbeitsform, in der die kollektiven Fähigkeiten und Kräfte, die in Einzelnen stecken, für ein gemeinsames Anliegen genutzt werden können. Teamentwicklung stellt eine wesentliche Voraussetzung und integrierende Aufgabe für jede Form von Schulentwicklung dar, auch wenn die Strukturen an Schulen durch den Unterricht in einzelnen Klassen die Zusammenarbeit nicht von vornherein begünstigt.  Daher ist der Schritt vom „Ich und mein Fach“ zu „Wir und unsere Klasse“ bzw. „Wir und unsere Schule“ (vgl. Abbildung) nicht ganz leicht.


Abbildung: Vom „Ich und mein Fach“ zu „Wir und unsere Klasse“ und „Wir und unsere Schule“

Teamarbeit kann auch eine Basis für mehr Ver­trauen, gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung schaffen – im Sinne aktiven Mitgestaltens der Schulidentität, was für die Schaf­fung einer förderlichen „Schulkultur“ bedeutsam ist. Im Idealfall demon­strieren Lehrerteams durch die vorgelebte Verbindung dieser zweifachen Ziel­stellung ein Modell des Lernens, das auch für die Zusammenarbeit der Schülerinnen und Schüler un­tereinander wirksamer ist als zu belehren und zu appellieren.

Teamarbeit stellt ein wichtiges – wenn nicht das wichtigste – Verbindungsglied zwischen den Einzelaktivitäten der Lehrerinnen und Lehrer im Klassenzimmer und den Bemühungen um die Entwicklung der gesamten Schule dar. Bleibt diese Form der Kooperation auf einige wenige Engagierte im Kollegium beschränkt, wird die Lebendigkeit der Organisation nur begrenzt bleiben. Daher stellt die Teamarbeit keinen Luxus dar, den sich nur diejenigen leisten können, die dafür Zeit haben. Vielmehr ist sie unverzichtbares Element einer lernenden Schule, die ihre Entwicklung in die eigene Hand nimmt.

Voraussetzungen für gelingende Teamarbeit/Auf dem Weg zur Teamarbeit

Motivation und Vertrauen: Das Vertrauen spielt bei der Teamentwicklung eine große Rolle, damit es zu gegen­sei­tiger Anerkennung und Unterstützung bei der Bewältigung von Arbeitsvorhaben kommt. Zur Anbahnung einer entsprechenden Teamkultur ist eine bestimme Vertrauenskultur erforderlich, in der die gegenseitige Wert­schätzung das Klima bestimmt. Damit Interesse und Lern­bereitschaft im Team geweckt und erhalten werden, ist es wichtig, dass die Aufgabe jedem Mitglied ein Anliegen ist, dass es sich davon „betroffen“ fühlt, und dass sie für die und den Einzelnen Sinn macht. Das ist die große Herausforderung: Teamaufgaben so zu stellen, dass sie von Lehrerinnen und Lehrern als „sinnhaft“ ange­sehen werden. Die größte Chance auf Verwirkli­chung haben im Bereich der Schul­entwicklung daher jene Ziele, die aus einem gemeinsamen Anliegen „von un­ten“ wach­sen bzw. die sich die Beteiligten auf Basis einer Rahmenzielvorgabe „von oben“ selbst zu eigen machen.

Rahmenbedingungen: Vielleicht die wichtigste Rahmenbedingung ist das explizite Bekenntnis zur Teamarbeit in allen Leitlinien der Schule – und selbstverständlich auch in den Schul-Entwicklungsplänen – sowie eine gelebte Kultur der Zusammenarbeit. Dies ist ein für alle sichtbares Signal, dass Engagement gewünscht ist und gewürdigt wird. Zusätzlich sind auch organisatorische Hürden zu nehmen: Es müssen Zeitgefäße geschaffen werden, in denen sich Lehrer/innen treffen und austauschen können; es braucht dafür auch Platz an der Schule (am besten einen ruhigen Besprechungsraum, kann auch eine freie Klasse sein) und möglichst auch eine geeignete Ausstattung (Computer, Moderationsausstattung, Internet). (Gut funktionierende) Elektronische Plattformen können die Zusammenarbeit unterstützen und den Koordinationsaufwand reduzieren helfen (indem z.B. alle auf die selben Dokumente zugreifen können, Informationen und Kommunikationen für alle sichtbar dokumentiert werden etc.) s. auch hier.

Varianten von Teamarbeit

Kooperative Entwicklungsarbeit in Teams

Eine selbstbestimmte Schule erfordert nicht nur die Verantwortung des/der Einzelnen für einen guten Unterricht sondern weit mehr, nämlich die Planung, Koordination und (Selbst-)Evaluation ihrer gesamten Entwicklung – ein umfangreiches Vorhaben, das (insbesondere bei größeren Schulen) eigene Strukturen erfordert. Ab einer bestimmten Größe ist es unmöglich, sämtliche strategischen und operativen Aufgaben durchgängig als gesamter Lehrkörper zu leisten. Als effizienter hat es sich erwiesen, wenn sich unterschiedliche Teams bilden: etwa ein koordinierendes Qualitäts/Entwicklungsteam oder Teams, die für fachspezifische Aufgaben­stellungen verantwortlich sind. Daneben kann es aber auch (Projekt)Teams geben, die für eine bestimmte Zeit an klar umrissenen anderen Aufgaben arbeiten (etwa an der Verbesserung des Informa­tionsflusses zwischen den Schulpartnern), oder auch stärker auf Dauer angelegte Teams wie z.B. Professionelle Lerngemeinschaften. Je nach gestellter Aufgabe ergeben sich unterschiedliche Konstellationen von Teams. Dies bedeutet auch, dass Teams oft nicht „für die Ewigkeit“ zusammengestellt werden, sondern für bestimmte Aufgaben und daher auf Zeit. Haben sich bestimmte Teamstrukturen für kontinuierlich notwendige Entwicklungs- und Abstimmungsaktivitäten bewährt, können sie aber auch dauerhaft eingerichtet werden. Je mehr parallel agierende Teams es an einer Schule gibt, desto wichtiger ist eine koordinierende Stelle, die alles zusammenhält und einen verwirrenden Wildwuchs von Teams verhindert. Dies ist, je nach Größe der Schule, die Schulleitung oder ein Schulentwicklungsteam/Qualitätsteam/eine Steuergruppe.

Klassenteams und Jahrgangsteams

Eine zentrale Rolle bei der Teambildung spielen das Klassenlehrer/innenteam bzw. das Jahrgangsteam. Die Perspektiven "Ich und mein Fach" bzw. "Ich und mein Unterricht" können in der gemeinsamen Arbeit in einem Klassen- oder Jahrgangsteam überwunden werden: Das Team ist nicht so groß, dass man sich auf Dauer entziehen könnte, es ist nicht zu klein, sodass sich immer mindestens ein Kollege/eine Kollegin finden lässt, "mit dem/der man kann". Außerdem gibt es oft viele gemeinsame Anliegen, da man es mit der gleichen Klasse/den gleichen Klassen zu tun hat. Diese Teamformen sind daher auch am besten geeignet, Projekte in bestimmten Klassen anzugehen wie z.B. Individualisierung des Unterrichts, fachübergreifenden Unterricht, (fachübergreifende) pädagogische Diagnostik etc. Durch den vielleicht jährlichen Wechsel in der Zugehörigkeit zu verschiedenen Teams überwindet man auch die Grenze der "Klasse" und kann zum "Wir und unsere Schule" kommen.

Jahrgangsstufenteams

Für langfristige Entwicklungsarbeit bietet sich auch die Einrichtung von Stufen-Teams an. Dies bedeutet, dass (zumindest) ein gemeinsamer Kern von Lehrpersonen über mehrere Jahre hinweg alle Klassen einer Jahrgangsstufe unterrichtet. Die Vorteile liegen auf der Hand: Kontinuität und Nachhaltigkeit; Reduktion der Arbeitsbelastung für die einzelnen Lehrpersonen. Ein Modell, das sich vielfach bewährt hat!

Fach(bereichs)teams

Üblich sind auch Fach(bereichs)teams, die zur fachinternen Koordination und Entwicklung des Lehrangebots zusammenarbeiten. Sie können sich verschiedene fachliche Aspekten vornehmen wie z.B. Unterrichtsinhalte, Fragen von Methodik und Didaktik, Aufgaben, Standards und Verfahren der Leistungsbeurteilung etc. Diese Teams können sich regelmäßig treffen und in der Schulstruktur fix verankert sein oder auch nur sporadisch und anlassbedingt in Aktion treten (z.B. wenn es der Schulentwicklungsplan vorsieht).

Professionelle Lerngemeinschaften

Ein Ansatz, der sich in den letzten Jahren zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt hat! Mehr dazu siehe unten.

Schulentwicklungsteam/Qualitätsteam/Steuergruppen

Auf übergeordneter Ebene bewährt sich ein zentrales Team als Koordinationsstelle für die ganze Schule, die auch den Informationsfluss für die gesamte Schule in Gang hält: Hier weiß man über alle Aktivitäten der Schulentwicklung Bescheid. Das "Schulentwicklungsteam"  oder „Qualitätsteam“ fungiert als Ideenspender oder Ideensammler, formuliert Aufgaben, weist solche bestehenden Teams zu, bildet neue Teams oder unterstützt Teambildungen, verwirklicht Ideen oder hilft bei der Umsetzung von Maßnahmen und setzt sich mit Evaluation auseinander. Dazwischen lassen sich – je nach Bedarf und Funktion – weitere Teamformationen bilden, die ad hoc zusammengestellt werden wie z.B. Curriculumteams (z.B. für schulautonome Schwerpunktsetzungen), Konferenzteams, Evaluationsteam, Teams für Öffentlichkeitarbeit etc. – An dieser Stelle ist es besonders wichtig zu betonen, dass Schulentwicklungsteams/Qualitätsteams/Steuergruppen immer im Auftrag, also mit einem Mandat der Schulleitung agieren, deren Ziel- und Ergebnis-Letztverantwortung nicht delegierbar ist.

Projektteams

Projektteams werden für bestimmte Vorhaben zusammengestellt – z.B. für eine oder mehrere Maßnahmen im Entwicklungsplan. Sie arbeiten zeitlich begrenzt zusammen und sind meist auch stärker durchmischt, da es für viele Projekte unterschiedliche Personen und Erfahrungen braucht.

Kooperation mit anderen zur professionellen Weiterentwicklung nutzen

Grundsätzlich kann jede Form der Zusammenarbeit mit anderen Kolleg/innen im Sinne des Von-einander-Lernens zur professionellen Weiterentwicklung der Teammitglieder beitragen. In manchen Teams stehen eher entwickelnd-planerische, organisatorische Ziele im Vordergrund; wenn die beteiligten Lehrer/innen dabei für sich und ihren Unterricht etwas mitnehmen, ist das ein zusätzlicher Nutzen. Andere Formen der Zusammenarbeit stellen hingegen direkt auf das Lernen im und vom Team ab. Hier werden einige vorgestellt:

Peer Tandems

Tandems, d.h. die Zusammenarbeit zwischen zwei Lehrkräften, sind rasch und einfach zu organisieren, das nötige  Vertrauen kann rasch aufgebaut werden, v.a. in selbstgewählten Teams. Sie sind daher oft der erste Schritt in Richtung Kooperation unter Lehrkräften. Oft werden Tandems zwischen Lehrer/innen der gleichen Fächer/Fachgruppe gebildet – so gelingt die Zusammenarbeit am leichtesten und kann direkt für den Unterricht genutzt werden. Möglich sind aber auch fächerübergreifende Tandems, die sich dann – über die Fachdidaktik hinaus – meist allgemeineren Fragen des Unterrichts widmen.

Die Kooperation im Tandem kann sich – je nach Bedarf der betroffenen Lehrer/innen - ganz unterschiedlich gestalten. Sie reicht vom Austausch von Erfahrungen und Materialien (Stundenkonzepte, Unterrichtsmaterialien, Prüfungsaufgaben etc.), über eine gemeinsame Reflexion des Unterrichts bis zur gemeinsamen Planung von Unterricht und Teamteaching (s. unten). Auch für Peer Evaluation und kollegiales Hospitieren eignen sich Tandems sehr gut – das kollegiale Feedback erfolgt dann am besten wechselseitig. Ebenso ist es möglich, die eigene professionelle Weiterentwicklung mithilfe eines Peers (als eine Art „sparring partner“) zu reflektieren und mögliche Professionalisierungsschritte zu diskutieren; die Attribute „viel Erfahrung“ plus „neu im Geschäft“ können bei der Zusammensetzung der Tandems hilfreich sein.

Kollegiale Unterrichtsbeobachtung

Professionelle Weiterentwicklung im kollegialen Tandem

Professionelle Lerngemeinschaften (PLG)

Professionelle Lerngemeinschaften (PLG) sind Teams, die dem kollegialen Lernen dienen, sie funktionieren nach dem Prinzip „von-, für- und miteinander zu lernen“ und fördern Reflexion und professionelle Weiterentwicklung. Sie schaffen Zeit und Raum, individuelle, konkrete Praxisfragen systematisch in einer kleinen, selbst organisierten Gruppe zu bearbeiten. Wechselseitiges Vertrauen bzw. Vertraulichkeit ist dabei das Um und Auf. Ziel der PLGs ist, das Lernen bzw. die Lernergebnisse der Schüler/innen zu verbessern.

PLGs sind auf eine längerfristige und kontinuierliche Zusammenarbeit ausgelegt (so können z.B. monatliche Treffen organisiert werden). Sie können fachspezifisch ausgerichtet sein oder sich fachübergreifend auf bestimmte Aspekte des Unterrichts (z.B. Differenzierung, Kompetenzorientierung, Leistungsfeststellung etc.) konzentrieren.

Online-PLG werden für NMS angeboten. Die Teilnehmenden treffen sich regelmäßig im virtuellen Klassenzimmer, um sich strukturiert und fokussiert mit einem Aspekt ihres Themas auseinander zu setzten. Zwischen den Treffen tauschen sie sich im Forum aus, ergänzen gegenseitig ihr methodisch-didaktisches Repertoire und bekommen kollegiale Unterstützung.

Mehr dazu allgemein hier

Vernetzung zu PLG für NMS 

Kollegiale Beratung/Intervision/Balint-Gruppen

Eine Sonderform der Zusammenarbeit und gegenseitigen Unterstützung ist die kollegiale Beratung oder Intervision. Im Gegensatz zum informellen Austausch zwischen Kollegen, der oft spontan und „nebenher“ passiert, handelt es sich bei der kollegialen Beratung (und ihrer Varianten) um moderierte Verfahren, die bestimmten Strukturen und Regeln folgen und deshalb auch wirkungsvoller sind. Kern der kollegialen Beratung ist ein „Fall“, d.h. eine bestimmte schwierige, meist auch emotional belastende Situation (sie kann sich auf den Unterricht, auf einzelne Personen, aber auch auf Extracurriculares beziehen), die von einer der teilnehmenden Personen, „der Fallbringerin“/“dem Fallbringer“, eingebracht wird. In einem strukturierten Gespräch versuchen die anderen Teilnehmenden mehr darüber herauszufinden und der Fallbringerin/dem Fallbringer neue Sichtweisen und Ideen zur Lösung des Falles mit auf den Weg zu geben.

Kollegiale Beratung kann als eigene Kooperationsform etabliert werden, z.B. in Form einer Balint-Gruppe, die sich in regelmäßigen Abständen trifft, gegebenenfalls auch unter Leitung einer externen Expertin/eines externen Experten (z.B. Supervisor/in, EBIS-Berater/in etc.). In den meisten Fällen wird man jedoch bestehende Teams wie z.B. Klassen- oder Jahrgangsteams oder Professionelle Lerngemeinschaften nutzen. Wichtig ist, dass für alle klar ist, wann ein Verfahren der kollegialen Beratung durchgeführt wird – dafür gibt es einen eigenen Ablauf und eigene Gesprächsregeln (die selbstverständlich auch in anderen Situationen nutzbringend angewandt werden können). Auch wird man dann vielleicht eine (externe) Moderation zuziehen.

Kollegiale Beratung: Intervision in drei Varianten

Handreichung Teamteaching 

Last modified: Tuesday, 28 November 2017, 8:46 PM