Themen auswählen

Vorgaben in SQA

Mit Themen sind thematische Schwerpunkte gemeint, zu denen in der Folge Zielbilder, Ist-Stand, konkrete Ziele und Maßnahmen formuliert werden. Für die Auswahl und Anzahl der Themen gibt es einige Vorgaben, die einzuhalten sind:

So ist die Behandlung von mindestens zwei Themen im Entwicklungsplan verpflichtend, die sich ihrerseits in mehrere Sub-Themen aufgliedern können. Diese Fokussierung soll es den Schulen ermöglichen, mit ihren Zielen und Maßnahmen in die Tiefe zu gehen, d. h. die Schüler/innen tatsächlich zu erreichen. Natürlich steht es jeder Schule frei, mehr als zwei Themen zu bearbeiten; von ihr verlangt werden darf dies aber nicht. (Dazu ist anzumerken, dass es das langfristige Ziel des BMB ist, dass Entwicklungsvorhaben auf allen Ebenen des Schulsystems ganz grundsätzlich in der systematischen Weise geplant und durchgeführt werden, wie SQA es vorsieht. Auch ist zu bedenken, dass manche Themen durchaus arbeitsteilig behandelt werden können, wodurch die Belastung für die einzelnen Lehrpersonen auch bei mehr als zwei Themen nicht unbedingt ansteigen würde.)

Für beide Themen gilt die folgende Leitfrage:
Welche Maßnahmen evidenzbasierter Schulentwicklung (Unterrichts-, Personal- & Organisationsentwicklung) müssen wir an unserem Standort setzen, um das gewählte Thema im Sinne der Rahmenzielvorgabe des BMBF zu bearbeiten?

Als Rahmenzielvorgabe der Sektion I des BMB für die Schuljahre ab 2016/17 ist die „Weiterentwicklung des Lernens und Lehrens an allgemein bildenden Schulen in Richtung Individualisierung, Kompetenzorientierung und inklusiver Settings“ bis auf Weiteres festgelegt. (SQA-Rundschreiben 6-2016)

Dies bedeutet, dass beide Themen des SEP einen Bezug zu den Qualitätsbereichen 1 „Lernerfahrungen und Lernergebnisse“ und 2 „Lernen und Lehren“ aufweisen müssen. Im Fokus stehen dabei die unterschiedlichen Ausgangslagen der Schülerinnen und Schüler, auf die entsprechend eingegangen werden muss. Damit wird auch der Forderung nach bewusstem Umgang mit Diversität (Integration/Inklusion, Chancen- und Geschlechtergerechtigkeit) Rechnung getragen.

Unabhängig von der Wahl des Entwicklungsthemas geht es also immer um eine pädagogische Perspektive: Wie können wir unsere Schülerinnen und Schüler bestmöglich beim Lernen begleiten, ihren unterschiedlichen Ausgangslagen gerecht werden, ihre Potenziale erkennen und deren Entfaltung optimal unterstützen, damit sie positive Lernerfahrungen machen und ihre Lernergebnisse verbessern können?

  • Thema 1 orientiert sich dabei stark an den EP-Themen der jeweils übergeordneten Ebenen (Region bzw. Land) und den zuletzt mit ihr getroffenen Zielvereinbarungen.
  • Thema 2 steht gleichberechtigt neben Thema 1 und ist von jeder Schule nach ihren Interessen und ihrem Bedarf frei zu wählen; ein Bezug zur Rahmenzielvorgabe des BMB – siehe oben – ist dabei herzustellen.

Wenn ein Vorhaben während eines Schuljahres abgeschlossen wird, kann selbstverständlich ein neues an seine Stelle treten.

Für manche Schularten gelten besondere Regelungen: So ist bei Schulen mit angeschlossenen Schularten (z. B. NMS und PTS), die einen gemeinsamen EP verfassen, für Thema 1 jeweils mindestens eine schulartenspezifische Zielsetzung verbindlich (z. B. NMS: 2 Ziele zu BIST und PTS: 1 Ziel zu Individualisierung und Differenzierung; gemeinsam: 1 Ziel zu „Förderliche Leistungsbeurteilung“).

Kontinuität der von den Schulen gewählten Themen über die EP-Jahreszyklen hinweg ist möglich und gewünscht, wenn es längerfristige Entwicklungsprozesse braucht. Dementsprechend wurden und werden die Rahmenzielvorgaben des BMB nur geringfügig verändert. Die Schulen sind innerhalb der allgemeinen Vorgaben frei, je nach ihren Bedürfnissen alte Themen weiterzuverfolgen oder neue anzugehen.

6 Qualitätsbereiche 

Leit- und Orientierungstexte zu den verschiedenen Themen finden sich hier:

Eigene Schwerpunkte setzen

Wie findet man als Schule konkrete Schwerpunkte? Was ist bei der Auswahl zu berücksichtigen?

Relevanz

Grundsätzlich gilt es bedeutsame Themen auszuwählen, die die Schule in ihrer Entwicklung weiterbringen. Wo die Schule bisher Schwächen ortete, wird sie sich Ziele stecken, um sich den Herausforderungen zu stellen. Wo sie bisher erfolgreich gearbeitet hat, wird sie sich professionell weiterentwickeln, um noch besser zu werden. Der Themenwahl sollte man auf jeden Fall Zeit und Aufmerksamkeit widmen – die beiden Themen werden die Schule ja mindestens ein Jahr lang intensiv beschäftigen.

Mögliche Ausgangslagen

In der Praxis sind verschiedene Ausgangslagen zu beobachten:

1.       Dringliche Themen mit hohem Problemdruck sind oft leicht zu erkennen, weil alle an der Schule in ihrer täglichen Arbeit damit umgehen müssen. Meist gibt es auch entsprechendes Feedback, z.B. von Schüler/innen, Eltern, Schulaufsicht, Kooperationspartner/innen etc. In diesem Fall ist der Schule bewusst, dass sie etwas unternehmen muss.

2.       Ein wichtiger Anlassfall sind auffällige Evaluationsergebnisse – aus selbst durchgeführten Evaluationen, aus SQA-Online, aus den Überprüfungen der Bildungsstandards, den Reifeprüfungsergebnissen oder anderen Leistungsmessungen (Salzburger Lesescreening SLS, Informelle Kompetenzmessungen IKM etc.). Die Auseinandersetzung mit zentralen Daten (insbes. Ergebnisse von BIST-Überprüfungen, Reifeprüfungen) ist in SQA verpflichtend. Dies kann zu Präventionsmaßnahmen führen – bevor aus auffälligen Ergebnissen ernsthafte Probleme werden. Weisen die Ergebnisse jedoch darauf hin, dass die Probleme bereits bestehen, müssen diese jedenfalls zum Gegenstand der Schulentwicklungsarbeit gemacht werden, daran führt kein Weg vorbei – schließlich geht es um zentrale Bereiche des Lernens. Ergebnisse aus verschiedenen Erhebungen sind dabei miteinander in Beziehung zu setzen bzw. kann es sein, dass zusätzlich Datenquellen herangezogen oder geschaffen werden müssen, um die Situation einschätzen zu können. Detaillierte Vorschläge für die Arbeit mit Ergebnissen der Bildungsstandard-Überprüfungen finden Sie hier

3.       Wichtig ist in jedem Fall darauf zu achten, dass nicht nur kurzfristig „Feuer gelöscht“ wird, sondern Probleme und Herausforderungen möglichst nachhaltig angegangen werden. Nachhaltigkeit bedeutet, solange – nötigenfalls auch über Jahre hinweg - an einem Thema zu arbeiten, bis der gewünschte Zustand erreicht ist.

4.       Eine gute, weil positive (und nicht defizitorientierte) Grundlage für die Themenwahl sind Zukunftsvisionen und -ideen der Lehrkräfte und/oder der Schulpartner/innen: Ein Entwicklungsbedürfnis muss ja nicht auf Problemlagen gründen, sondern kann auch aus dem Wunsch nach professioneller Weiterentwicklung entstehen, als vorausschauendes Handeln oder schlicht aus Neugierde und der Lust etwas Neues zu probieren.

5.       Manchmal bieten sich aber auch verschiedene Themen an oder es gibt unterschiedliche Meinungen dazu, welches Thema vorrangig zu behandeln ist. In diesem Fall sollten in einer Klärungsphase die verschiedenen Möglichkeiten abgewogen und – möglichst gemeinsam – eine Priorisierung vorgenommen werden.

Evidenzbasierung

Wichtig ist, dass die Themenwahl nicht nur auf Meinungen und Vermutungen basiert, sondern auf Evidenzen, d.h. der Analyse und Interpretation relevanter Daten. Viele davon – siehe oben, Pkt. 2 – sind bereits im Schulsystem verfügbar (z. B. auch Schülerleistungsergebnisse, Übertrittsquoten, Fernbleiben vom Unterricht), andere wiederum müssen die Akteur/innen selbst erzeugen (z. B. Ergebnisse von Individualfeedback oder Projekt-Evaluationen, Notizen zu Unterrichtsbeobachtungen).

Mehr dazu auch unter Rückblick & Ist-Stand sowie unter Evaluation und Feedback.

Optionen sondieren und Themen priorisieren

Wie kommt man nun zu den beiden konkreten Themen – sowohl den Schwerpunktsetzungen für Thema 1 als auch zum frei zu wählenden Thema 2?

Da die Themenwahl auch Richtungswahl ist, empfiehlt es sich zu Beginn der Planungen für den nächsten EP auf jeden Fall innezuhalten und sich die verschiedenen Optionen bewusst zu machen. Manchmal ist das, was im Moment wichtig und dringend erscheint (Stichwort Problemdruck), mittel- und langfristig gar nicht so bedeutsam. Es ist also auch immer gut eine längerfristige Perspektive mit zu berücksichtigen.

Je nach Situation (siehe oben) und Zeitbudget kann man diesen Schritt mehr oder weniger intensiv durchlaufen. Folgendes hat sich bewährt—die ersten beiden Aktivitäten selbst dann, wenn sich die Themen bereits klar abzeichnen – und ist am besten in einem gemeinsamen Auftakt (s.o.) zu behandeln:

1. Anlass und Motivation für die Wahl der Themen müssen klar und nachvollziehbar sein, man sollte sich also im Kollegium – sowie möglicherweise auch mit den Schulpartner/innen – noch einmal vergegenwärtigen, aus welchem Grund und mit welchem Ziel ein Thema verfolgt wird. Nur so ist gewährleistet, dass es zu positiven und sinnvollen Entwicklungen kommt, die von den Beteiligten getragen werden. Die Schule sollte sich daher immer die Frage stellen: Warum beschäftigen wir uns mit diesem Thema? Warum gerade mit diesem und keinem anderen?

2. Vorhandene Daten und Ergebnisse: Im Sinne eines systematischen, evidenzbasierten Vorgehens, spielen Evaluationsergebnisse, Ergebnisse aus SQA online und/oder Leistungsmessungen bei Schüler/innen eine zentrale Rolle. Diese müssen auf jeden Fall (noch) einmal auf einen möglichen Handlungsbedarf durchgesehen werden. Siehe auch: Rückblick & Ist-Stand

3. Moderierte Themensammlung: Um zu verhindern, dass der Blick von vornherein zu stark eingeengt und Wichtiges nicht berücksichtigt wird, kann es im Vorfeld sinnvoll sein, mittels eines Brainstormings (oder einer ähnlichen Kreativtechnik) im Kollegium breit(er) nach möglichen Themen zu fragen. So behält man das größere Ganze im Blick. Eine moderierte Themensammlung empfiehlt sich aber auf jeden Fall, wenn noch nicht klar ist, wohin es gehen soll. Siehe auch: Was wir angehen wollen

4. Priorisierung: Wichtig ist, dass auf eine offene Themensammlung eine Priorisierung erfolgt. Hochgereihte Themen werden in den Entwicklungsplan aufgenommen, als weniger wichtig oder dringlich erachtete Themen in einem Themenspeicher gesammelt – so gehen sie nicht verloren und können zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgegriffen werden. Siehe auch: Was wir angehen wollen und Gute Schule-was ist das eigentlich

Verfahrensvorschläge und Analysetools

Wenn eine Schule die Themenfindung (noch) grundsätzlicher und offener angehen möchte, so steht hier eine Reihe von Verfahren zur Auswahl. Sie helfen dabei, mittels einer stringenten Analyse und /oder kreativer Methoden bei der Themenwahl voranzukommen. Sie zeigen dabei gleich auch Entwicklungspotenziale auf oder helfen Zielbilder zu entdecken und – um nicht in der Problemsicht zu verharren – auch gleich Lösungsmöglichkeiten zu finden. Voraussetzung ist, dass es nicht allzu rasch gehen muss, denn diese Verfahren brauchen etwas mehr Zeit.

WICHTIG: Diese Verfahren können natürlich auch angewendet werden, wenn sich die Schule bereits für ein Thema entschieden hat: So kann z. B. statt „Gute Schule“ durch „Guter Unterricht“, „Guter Leseunterricht“ oder „Gutes Klassenklima“ als Ausgangspunkt des Verfahrens ersetzt werden. Die einzelnen Methoden helfen dann, das jeweilige Thema weiter zu konkretisieren.

Eine Methode, die Problemerkennung und Lösungsfindung vereint und hilft, neue Handlungsräume zu erkunden ist die sogenannte U-Prozedur. Einen Vorschlag, wie Sie dieses Verfahren durchführen können, finden Sie hier „U-Prozedur“ -- Problemen auf den Grund gehen.

Last modified: Tuesday, 28 November 2017, 8:06 PM