Partizipation und Kooperation

Einbeziehen der Stakeholder

Will man mit Schulentwicklung tatsächlich etwas bewegen, muss sie von den verschiedenen Betroffenen und Beteiligten in der Schule (mit)getragen werden. Partizipation ist daher ein Grundprinzip von SQA. Dies bedeutet, dass es ohne die Lehrkräften nicht geht: Sie müssen das Vorhaben (mit)gestalten und tragen. Aber auch die anderen Schulpartner/innen sind einzubeziehen: indem man Feedback und Vorschläge einholt, sie über den Entwicklungsplan informiert und eventuell auch an seiner Erarbeitung mitwirken lässt. Ebenso sollen Ergebnisse, insbesondere aus Feedback und Evaluation, wo dies sinnvoll und möglich ist, den Schulpartner/innen präsentiert werden.

Nicht vergessen sollte man dabei auch auf das Umfeld der Schule, wie z.B. Entwicklungspartner/innen außerhalb der Schule (Vereine, Wirtschafsbetriebe etc.). Diese werden je nach Situation und gewähltem Themenschwerpunkt eine unterschiedlich große Rolle spielen. Mehr dazu siehe auch hier.

Eine besondere Rolle spielt die Schulaufsicht, die in SQA auf jeden Fall über die Bilanz- und Zielvereinbarungsgespräche in die Schulentwicklung einbezogen wird und im Sinne der „dialogischen Führung“ agiert. 

Interne Kooperation und Teamarbeit

Schulen sind Expert/innenorganisationen mit äußerst flachen Hierarchien, in denen Lehrer/innen in hoher Autonomie ihrem Beruf nachgehen. Gerade deshalb besteht gleichzeitig hoher Bedarf an Koordination, die sich jedoch aufgrund der etablierten Traditionen, aber auch wegen der Rahmenbedingungen an Schulen nicht so leicht organisieren lässt. Es müssen also aktiv Wege der Kooperation gesucht und gefunden werden.

Warum sind Kooperation und Teamarbeit so wichtig?

Teamentwicklung hat ihren Zweck nicht nur in der Förderung der Zusammenarbeit von Lehrerinnen und Lehrern, son­dern steht in einem engen Zusammenhang mit der Qualität einer Schule, mit ihrer Kultur, und braucht, wie jede Entwicklung, genügend Zeit, gegenseitige Rücksichtnahme, Geduld und Unterstützung. Mehr Zusammenarbeit im Team ist also Mittel und Ziel von Schulentwicklung zugleich.

  • Zum einen erfordern qualitätvoller Unterricht und ein gutes Schul- und Klassenklima eine Abstimmung zwischen den Lehrer/innen. Beispiele reichen von der Koordination von Zeitplänen (Tests und Schularbeiten, Schulaktivitäten) über gemeinsame Ziele und Standards (z.B. Prüfungsstandards) bis zu fächerübergreifendem Unterricht. Je nach Schultyp entstehen hier unterschiedliche (und unterschiedlich große) Anforderungen.
  • Weiters werden durch Teamarbeit Effektivität und Qualität schulischer Leistung ganz allgemein gesteigert, da sich in der gemeinsamen Arbeit die Standards und Ansprüche erhöhen; Teams sind bedeutend produktiver und motivierender als eine Summe von „Einzelkämpfer/innen“, da im Austausch mit anderen bessere Lösungen gefunden werden als alleine. Das gilt in besonderem Maße für die Schule, wo es für Lehrer/innen traditionell besonders wenig Feedback zur eigenen (Unterrichts)Tätigkeit gibt.
  • Auch arbeitet nicht jede Lehrerin/ jeder Lehrer gerne isoliert, viele wünschen sich Austausch und Unterstützung unter Kolleg/innen, auch und besonders in schwierigen Situationen. Das gemeinsame Tragen von Verantwortung entlastet die einzelne Lehrerin/den einzelnen Lehrer, die soziale Einbindung wirkt der Vereinzelung im Lehrberuf entgegen und schafft eine größere Arbeitszufriedenheit an der Schule. Grundvoraussetzung ist gegenseitiges Vertrauen, das es oft erst aufzubauen gilt.
  • Schließlich stellt SQA auf die Schulen ab – und nicht auf einzelne Lehrerinnen und Lehrer. Will man die Schule als Ganze weiterentwickeln, so geht das nur gemeinsam. Gezielte Förderung der Schüler/innen wird so möglich; Ziele und Vorgangsweisen in bestimmten Anliegen (z.B. in Erziehungszielen, Leistungsbeurteilung u.a.) werden gemeinsam getragen; es entsteht für alle Schulpartner/innen mehr Klarheit über die Erwartungen an Schule und Unterricht.
  • Nicht zuletzt schafft Teamarbeit der Lehrkräfte als Lernmodell für Schülerinnen und Schüler eine wichtige Voraussetzung für die Zusammenarbeit in der Klasse.

Zu Teamarbeit in der Schule siehe auch "Besser im Team" und "Was sonst noch wichtig ist"

Wie kann man Partizipation und Kooperation fördern?

Wichtig ist es, Schulentwicklungsprozesse bottom-up anzusetzen, d.h. das Kollegium gut zu informieren, zur Teilnahme einzuladen -- und diese auch praktisch zu ermöglichen. Die Entwicklung der Zusammenarbeit selbst braucht oft Zeit und kann auch als (explizites oder implizites) „Teilprojekt“ des (stark inhaltlich ausgerichteten) Schulentwicklungsprozesses gesehen werden.

Ausprobieren und Erfahrungen sammeln

Oft ist zu beobachten, dass Entwicklungen zuerst von einem (kleineren) Team getragen werden und sich erst mit der Zeit weitere Personen und Gruppen anschließen. So können Erfahrungen gemacht und ev. bestehende Befürchtungen überwunden werden.

Teams aufbauen und SQA-Strukturen nutzen

Unterstützung finden Entwicklungsprozesse auch durch den Aufbau von Strukturen, also der Etablierung von SQA-SchulkoordinatorInnen, der Einrichtung von Qualitätsteams/ Projektteams/ Qualitätszirkel oder von Teamarbeit allgemein.

Vermieden werden sollte auf jeden Fall, dass einer Person -- also z.B. der/dem SQA-Schulkoordinator/in --  alleine das Entwicklungsprojekt überantwortet wird. Dies ist im Bereich der Schulentwicklung weder angemessen noch zielführend. Der Schulentwicklungsplan soll ja in der Schule breit mitgetragen, das „Einzelkämpfertum“ überwunden werden.

Die Zusammenarbeit im Kollegium kann zusätzlich durch die Art des Vorgehens im Schulentwicklungsprojekt unterstützt und gefördert werden: Das reicht von Fortbildungen über Peer-Beratung/Intervision bis zu kollaborativen Settings in den Maßnahmen selbst. (s. dazu Kapitel 4, v.a. "Besser im Team" und "Was sonst noch wichtig ist")

Entscheidungskultur aufbauen, klare Regeln treffen

Partizipation bedeutet Beteiligungsprozesse, die eine lebendige Mitbestimmung ermöglichen. Eine wichtige Voraussetzung sind klare, vorab vereinbarte „Spielregeln“ sowie die Transparenz von Arbeitsprozessen und Verantwortlichkeiten. Gemeinsam mit positiven Erfahrungen erzeugen sie das notwendige Vertrauen bei allen Beteiligten.

Wichtig ist, dass im Vorfeld geklärt wird, welche Entscheidungen gemeinsam getroffen werden – und welche nicht, sonst ergibt das „leere Kilometer“ und viel Frust bei den Beteiligten. In vielen Fällen sind möglichst konsensuale Entscheidungsfindungen die besten, da sie inhaltlich (meist) fundierter sind und außerdem breit mitgetragen werden. Reine Mehrheitsentscheidungen sind oft einfach zu treffen und im Schulalltag daher das Mittel der Wahl. Gerade bei wichtigen Entscheidungen ist es aber meist zielführender, vorab eine inhaltliche Diskussion zu führen und dabei unterschiedliche Perspektiven nicht nur zuzulassen, sondern aktiv einzuholen. Wenn die dahinterliegenden Interessen und Bedürfnisse der Beteiligten berücksichtigt werden, ist das eine gute Voraussetzung für Win-win-Entscheidungen, von denen alle etwas haben. Ziel muss es sein, dass die überzeugendsten Argumente in der Entscheidungsfindung „gewinnen“ – und nicht wenig hinterfragte, aber umso lauter vorgebrachte „Positionen“. Man sieht schon: das alles braucht Zeit ...

Will man faire Entscheidungsverfahren, die nicht so langatmig und kompliziert werden, dass sie von vornherein zum Scheitern verurteilt sind, dann müssen sie also sehr gut organisiert sein und klaren Regeln folgen. Eine demokratische Entscheidungsfindung ist ohne ein Prozedere, das die oben genannten Faktoren berücksichtigt, nicht denkbar. Insbesondere braucht es ein Vorgehen, das alle Beteiligten in die Diskussion mit einbezieht, und natürlich eine professionelle, allparteiliche Moderation.

Zum Thema Moderation siehe "Was sonst noch wichtig ist".

Ein Beispiel für ein konsensuales Entscheidungsverfahren finden Sie hier.

Verantwortung der Führungspersonen

Eine besonders große Bedeutung kommt der Schulleitung zu, die Schulentwicklung einerseits als Führungsaufgabe wahrnehmen muss, andererseits durch einen partizipativen („dialogischen“) Führungsstil die Lehrkräfte, aber auch andere Stakeholder in Entwicklungsprozesse einbindet. Die Letztverantwortung für den Schulentwicklungsprozess – Erarbeitung des SEP, Umsetzung und Kommunikation der Ergebnisse -- liegt bei der Führungskraft und kann nicht delegiert werden. Daher ist es im Bedarfsfall auch ihre Aufgabe, die Beteiligung aller Lehrpersonen am Schulentwicklungsprozess einzufordern und nötigenfalls, nach Ausschöpfung aller Überzeugungs- und Unterstützungsmaßnahmen, durchzusetzen.

Wie Veränderungsstrategien dialogisch und im Wechselspiel mit den Beteiligten und Betroffenen umgesetzt werden können, zeigt auch die Z-Strategie der Leadership Academy. Sie integriert Bemühungen zur Partizipation und Kooperation in einen strategisch-evolutionären Entwicklungsprozess und vereint Top-down mit Bottom-up-Ansätzen. Näheres in LEA-News, S. 3 ff.

Schulübergreifende Zusammenarbeit

Nicht zuletzt kann die eigene Schulentwicklung auch von externen Kooperationen profitieren. Schulübergreifende Zusammenarbeit bietet sich an, um sich auszutauschen, von einander zu lernen, schulübergreifende Fortbildung und Beratung zu organisieren, eventuell Projekte gemeinsam anzugehen oder in der Evaluation zu kooperieren (s. auch Evaluation braucht Partizipation und Vertrauen).

Eine Sonderform sind SQA-Verbünde, die der lokalen bzw. regionalen Abstimmung von Kleinschulen (ein bis drei Klassen) dienen. Sie können als horizontale (Schulen der gleichen Art) oder vertikale Verbände (Kombination von Kleinschulen mit Standorten anderer Schularten) gebildet werden und bedürfen einer Genehmigung durch die Schulaufsicht. Für SQA-Verbünde gilt ebenso wie für Schulen unter einer Leitung die Empfehlung, einen gemeinsamen Schulentwicklungsplan (SEP) zu erarbeiten; zumindest aber ist ein gemeinsames Thema in ihre jeweiligen SEP aufzunehmen (z. B. die Verbreiterung von Angeboten in einer Region, die Verbesserung der Austausch- und Reflexionsmöglichkeiten unter den Beteiligten oder die Harmonisierung der Übergänge zwischen Schularten).  SQA-Verbünde müssen von der Schulaufsicht genehmigt und im jeweiligen Regional- bzw. Landesentwicklungsplan dokumentiert werden.

Eine deutlich engere Verbindung zwischen einzelnen Schulen wird durch die Bildung von Schul-Clustern entstehen, die im Rahmen des Bildungsreform-Pakets 2017 beschlossen wurde.

Last modified: Tuesday, 28 November 2017, 4:58 PM