Realistische Vorhaben

Schulentwicklung darf und soll sich anspruchsvolle Ziele setzen, schließlich sollen damit ja Veränderungen in Gang gebracht werden. Wenig sinnvoll ist es allerdings, wenn sich eine Schule damit überfordert, indem z.B. zu viel und zu schnell umgesetzt werden soll. Eine möglichst realistische Sicht auf die Machbarkeit von Vorhaben sollte daher ein ständiger Begleiter sein. Dabei ist zu beachten, dass nicht alles, was vom Zeitaufwand der Beteiligten her bewältigbar erscheint, auch tatsächlich „machbar“ ist: Schulentwicklung findet ja in einem sozialen System statt, das durchaus seine Eigenlogiken hat, die zu verändern oft Zeit braucht.

Kleine(re) Schritte in längerfristiger Perspektive

Weniger ist daher oft mehr. Hilfreich ist es, mit einem Blick auf das Wesentliche, durchaus die vordringlichsten und wichtigsten Themen zu wählen (Schulentwicklung soll sich ja nicht in Nebensächlichkeiten verlieren), dabei aber Schritt für Schritt vorzugehen: So können schwierigere Unterfangen z.B. auf mehrere Jahre aufgeteilt werden. Damit ist gewährleistet, dass man die Ziele nicht aus den Augen verliert, ohne aber „alles auf einmal“ erledigen zu müssen. Kleinere Etappenziele sind nebenbei nicht nur einfacher zu erreichen, sie lösen oft auch weniger Ängste und Befürchtungen aus. Und nicht zuletzt braucht es auch immer etwas (zeitlichen) Spielraum, um unterm Jahr flexibel auf zusätzliche Anforderungen und Entwicklung eingehen zu können.

Andererseits sollten Vorhaben aber auch nicht allzu sehr in die Länge gezogen werden: Wenn man sich über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder (neu) aufraffen muss, an einem Projekt (weiter)zuarbeiten, kann den Beteiligten die Energie „ausgehen“.

Die Fähigkeit, die Angemessenheit von Zielen und Maßnahmen und den Umgang mit Ressourcen und Zeit richtig einzuschätzen stellt sich allerdings oft erst mit der Erfahrung ein. Dafür ist es wichtig, die Schulentwicklungsvorhaben selbst (wie im Entwicklungsplan angeregt) immer wieder zu reflektieren.

„Pilotprojekte“

Eine weitere wichtige Möglichkeit sich vor Überforderung zu schützen besteht darin, die Dimension des Entwicklungsvorhabens vorerst zu beschränken: also eine Art „Pilotprojekt“ einzurichten, in dem Änderungen fürs Erste für einen kleineren Teil der Schule entwickelt und ausprobiert werden. Das kann z.B. ein Lehrer/innen-Team sein, das in einer Klasse neue Formen des Team-Teaching ausprobiert, oder eine Fachgruppe, die gemeinsam ihren Unterricht weiterentwickelt. Wenn sich die Projekte bewähren, kann man den nächsten Schritt angehen und weitere Teile der Schule (oder auch die ganze Schule) involvieren. Dabei muss es oft noch einmal zu Anpassungen im Vorgehen kommen: Schließlich kann das, was in einem Kontext funktioniert, nicht unbedingt immer direkt auf eine andere Situation (ein anderes Fach, ein anderes Team) übertragen werden.

Die Chancen derartiger „kleiner Anfänge“ liegen v.a. im experimentierenden Vorgehen, in der vergleichsweise einfacheren Entwicklung im kleinen Setting. Positiv ist auch, dass die Ausweitung dann erfolgt, wenn eine bestimmte „Reife“ erreicht ist – es müssen also nicht alle jeden Entwicklungsschritt (und den einen oder anderen Irrweg) aktiv mitmachen. Andererseits besteht die Gefahr – und das ist die Kehrseite  –, dass sich Insellösungen entwickeln oder Projekte nicht weitergeführt werden. Wenn das daran liegt, dass die entwickelten Lösungen sich doch nicht bewährt und/oder sich nicht als übertragbar erwiesen hatten, ist das zu verschmerzen. Oft liegt es jedoch daran, dass breitere Teile der Schule kein Interesse zeigen oder für die Weiterverfolgung dieser Versuchsprojekte kein „Transfer-Projekt“ etabliert wird. Von einer automatischen Übernahme von neuen Entwicklungen kann ja meist nicht ausgegangen werden, auch eine breitere „Ownership“ muss gezielt aufgebaut werden. Es gilt also auch hier das große Ganze im Blick zu behalten (und nicht nur die engagierte Lehrer/innengruppe), will man Pilotprojekte für die Entwicklung der gesamten Schule nutzen.

Eine andere Möglichkeit wäre, ein (erstes) Teilvorhaben für alle anzugehen, also das Thema nicht gleich in seiner ganzen Breite auf die Agenda zu setzen. Auch in diesem Fall ist es wichtig, im weiteren Verlauf darauf zu achten, dass man das Gesamtvorhaben nicht aus den Augen verliert.

Last modified: Thursday, 16 November 2017, 10:12 PM