Systematische Qualitätsentwicklung

Was bedeutet es Schulentwicklung „unsystematisch“ zu betreiben?

Wenn man sich einmal entschlossen hat, etwas anzugehen, dann möchte man sich nicht mit langwierigen Diskussionen, komplizierten Abwägungen, detaillierten Planungen und dergleichen aufhalten.

Wissen wir, wohin wir wollen und wie wir dorthin kommen?

Allerdings: Nur bei kleinen und sehr überschaubaren Projekten wird diese Vorgangsweise Erfolg haben -- und das auch nur, wenn man bereits auf viele Erfahrungswerte zurückgreifen kann und daher kaum Überlegungen im Vorfeld anstellen muss. In allen anderen Fällen kann das „Einfach-Loslegen“ ganz leicht zum Blindflug werden.

Wie machen wir das, wenn wir zusammen arbeiten (müssen)?

Auch funktioniert das alles nur, wenn man sich nicht mit anderen abstimmen muss. Ist ein größerer Personenkreis beteiligt – und an einer Schule ist das für gewöhnlich der Fall, sobald es über Einzelvorhaben individueller Lehrkräfte hinausgeht – braucht es Planung und Koordination.

Und wer sagt uns, dass uns das weitergebracht hat?

Schließlich besteht die Gefahr, dass man in die Irre läuft, Ziele nicht erreicht und sich dessen vielleicht gar nicht bewusst ist. Das bedeutet dann unter Umständen viel Aufwand für nichts. Zusätzlich fehlt die Möglichkeit, für die Zukunft zu lernen, man wiederholt also in schlimmsten Fall ein nicht erfolgversprechendes Vorgehen (die eigenen „Fehler“) immer wieder und die Dinge ändern sich nicht oder verschlechtern sich sogar.

Es geht also bei jeglichem fundiert durchgeführten Entwicklungsvorhaben um

  • ein Voraus-Denken (bevor man beginnt),
  • ein Mit-Denken (während man im Tun ist) und
  • ein Nach-Denken (immer wieder einmal, aber auf jeden Fall, bevor man etwas endgültig abschließt).


Die Qualitätsspirale

Aktivitäten werden so geplant und durchgeführt, dass die einzelnen Schritte logisch zusammenhängen und es eine Möglichkeit gibt zu überprüfen, ob die angestrebten Ziele erreicht wurden (oder nicht).

4 Phasen der Qualitätsentwicklung

Dafür bietet sich als Denk- und Planungsmodell die Qualitätsspirale (manchmal auch – weniger dynamisch – als „Qualitätskreislauf“, „Demingkreis“ oder „PDCA-Zyklus“ bezeichnet) an. Sie stammt aus dem Qualitätsmanagement und unterstützt das Bemühen, in einer logischen und reflektierten Form an Aufgaben heranzugehen. Die Qualitätsspirale beschreibt schematisch 4 Phasen, die aufeinander aufbauen. Es sind dies:


Grafik Qualitätskreislauf

 


Logisch verbundene Abfolge

Diese Abfolge zeigt, dass sich Datenerhebung und Reflexion (3), Zielbestimmung und Planung (1) sowie die aktive Umsetzung von Maßnahmen (2 und 4) in einem organischen Ablauf abwechseln: Zuerst überlegen wir, welcher Veränderungsbedarf besteht, was wir erreichen wollen und wie wir dabei vorgehen können, dann setzen wir das, was wir geplant haben in die Tat um, schließlich versuchen wir herauszufinden, ob wir das erreicht haben, was wir wollten und was es noch braucht (oder auch nicht). Daran schließen sich dann unmittelbare Maßnahmen an oder man beginnt gleich den nächsten Qualitätszyklus.

In der Realität handelt es sich dabei nicht – wie die Grafik vielleicht nahelegt – um einen starren, mechanistischen Prozess, sondern um eine logische Abfolge und Verbundenheit zwischen den einzelnen Phasen. So kann es auch in Umsetzungsphasen einerseits rollierende „Fein“planungen, andererseits Datenerhebungen für die Evaluation geben (Letzteres ist sogar gang und gäbe). Auch Evaluation und Zielbestimmung/Planung sind nicht immer so trennscharf voneinander abzugrenzen, da sich oft bereits im Evaluationsverlauf (und v.a. dann, wenn es an die Auswertung geht) abzuzeichnen beginnt, wo es in Zukunft hingehen kann und soll. Trotzdem hat sich dieses gedankliche Schema als Basis für die Qualitätsentwicklung sehr gut bewährt, um Planen, Handeln und Evaluieren sinnvoll zu verschränken (s. auch hier!)

Sonderfall Phase 4 - Act

Die Phase 4 nimmt dabei eine Sonderstellung ein (sie wurde auch zu einem späteren Zeitpunkt in die ursprünglich dreiteilige Qualitätsspirale eingefügt). Von der logischen Abfolge her reichen prinzipiell die drei ersten Phasen, indem die Evaluation der Umsetzung in die Zielbestimmung und Planung für den nächsten Zyklus einfließt.

In der Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass es eine Art Bindeglied zwischen den Phasen 3 (Evaluation) und 1 (Ziele und Planung) braucht, zumal sich aus Evaluationsergebnissen oftmals ja auch direkt Maßnahmen ableiten lassen (die sozusagen noch zum „alten“ Qualitätszyklus gehören). Diese kann man umsetzen, ohne den nächsten Zyklus -- in Schulen bedeutet dies: das nächste Schuljahr – abzuwarten. Oder es kann diese Phase genutzt werden, um Bewährtes gleich in den „Regelbetrieb“ zu übernehmen.

Für das Beibehalten der Phase 4 in der Qualitätsspirale in SQA spricht auch, dass sie die aktive Nutzung der Evaluation hervorstreicht, indem sie sie im Modell explizit verankert. Nicht zuletzt ist SQA damit auch an den allgemeinen (auch internationalen) Qualitätsdiskurs mit seinem 4-phasigen Modell anschlussfähig.


Schriftliche Dokumentation

Ein weiterer wichtiger Aspekt im Umgang mit der Qualitätsspirale ist die schriftliche Dokumentation. Sie gewährleistet, dass der Prozess jederzeit für alle Beteiligten und Betroffenen nachvollziehbar ist – im Sinne der internen Abstimmung zwischen den Beteiligten und der Selbstvergewisserung, dass man auf dem richtige Weg ist (und bei welcher Etappe), aber auch für den Nachweis des bisher Geleisteten. SQA soll ja schließlich auch die Bemühungen der Schulen (und die Erfolge!) nach innen und außen sichtbar machen.

Last modified: Tuesday, 17 April 2018, 12:52 PM