Leistungsmessungen als wichtige Datenquelle für Evaluation

Leistungsmessungen bei Schüler/innen sind eine wichtige Quelle für die Evaluation. Sie geben Auskunft über das, was die Schüler/innen wissen und können und sind damit ein wichtiger Erfolgsindikator im Rahmen des Qualitätsbereichs 1: Lernerfahrungen und Lernergebnisse . Aufgrund ihrer zentralen Bedeutung ist eine verstärkte Nutzung von Erhebungen zu Wissen und Kompetenzen von Schüler/innen für die Qualitätsentwicklung wünschenswert.

Daten zu den Leistungen der Schüler/innen werden in erster Linie intern von der Schule generiert in Form von Noten und Zeugnissen, guten und ausgezeichneten Erfolgen, in den AHS Oberstufen auch als Ergebnisse der (standardisierten) Reife- und Diplomprüfung. Ebenso gibt es Statistiken zur Anzahl der Schüler/innen, die den Leistungsanforderungen nicht gerecht werden, zu Nachprüfungen, Repetent/innen und Dropouts. Diese Leistungsmessungen bzw. -bewertungen und Indikatoren stehen der Schule auf jeden Fall für eine Analyse zur Verfügung.

Zusätzlich gibt es seit einigen Jahren auch extern bereitgestellte Tests, die Informationen zu Leistungen der Schüler/innen liefern. Die genierten Daten sind je nach Intention und Anwendungsbereich sehr unterschiedlich, manche können direkt für die pädagogische Diagnostik und die Unterrichtsentwicklung eingesetzt werden, bei anderen braucht es weitere Analyseschritte, um Schlussfolgerungen für die Qualitätsentwicklung zu ziehen. Zu den Erhebungen und Diagnoseinstrumenten zählen z.B. das Salzburger Lesescreening, die Informelle Kompetenzmessung (IKM) und nicht zuletzt die Bildungsstandardsüberprüfungen. Gerade letztere sind ein wichtiges, aber noch nicht ausreichend genutztes Element der Qualitätssicherung in SQA. Im folgenden Exkurs finden Sie Hinweise und Anregungen für die Auseinandersetzung mit den Rückmeldungen aus den Bildungsstandardsüberprüfungen.

Warum sind Bildungsstandards so wichtig?

Bildungsstandards sind ein wichtiges Instrument der Qualitätsentwicklung und -sicherung im Rahmen von SQA. Sie stellen die Ergebnisse schulischen Lernens bei den Schüler/innen in den Mittelpunkt, damit soll im österreichischen Schulsystem ein Paradigmenwechsel hin zu einer Ergebnisorientierung eingeleitet werden: Es geht also nicht nur darum, welche Ressourcen zur Verfügung stehen, wie Lehrer/innen aus- und weitergebildet werden, wie unterrichtet wird, sondern auch, was dabei letztlich herauskommt, d.h. um die Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Schüler/innen an zentralen Schnittstellen des Schulsystems.

Diese Outputorientierung soll zu mehr Verbindlichkeit in Bezug auf schulische Lernergebnisse führen und den Erwerb grundlegender Kompetenzen bei allen Schüler/innen sicherstellen. Die Bildungsstandards machen Bildungsziele für Lernende und Lehrende transparent und vergleichbar.

Was sagen Rückmeldungen zu den Bildungsstandardsüberprüfungen aus?

Dabei wird auf die Nutzung von periodischen Erhebungen zum Kompetenzerwerb der Schüler/innen gesetzt: Die Resultate der Testung sollen mit den angestrebten Lernergebnissen verglichen werden, um daraus Schlussfolgerungen für die Schul- bzw. Unterrichtsentwicklung abzuleiten. Es handelt sich dabei aus Sicht der Schule um extern generierte Evaluationsdaten.

Der große Vorteil der extern durchgeführten Bildungsstandardsüberprüfungen ist jedoch auch ihr Nachteil: Sie geben zwar Auskunft über Lernergebnisse der Schüler/innen, liefern aber keine direkten Hinweise, wie diese Ergebnisse zustande gekommen sind oder gar darauf, was dies für die Schul- bzw. Unterrichtsentwicklung konkret bedeutet. Sie können also nicht ohne Weiteres in pädagogische Maßnahmen übersetzt werden. Darin liegt auch einer der Hauptgründe dafür, dass Daten aus Leistungsmessungen an Schulen bisher eher selten systematisch genutzt werden. Das ist schade, stellen Sie doch qualitativ hochwertige Daten dar, die Schulen, aber auch einzelnen Lehrkräften eine (in Bezug auf bestimmte Kontextbedingungen) „faire“ Standortbestimmung in Bezug auf den Kompetenzerwerb ihrer Schüler/innen erlauben.

Wie die Rückmeldungen zu den Bildungsstandardsüberprüfungen nutzen?

Für den Umgang mit den Resultaten der Bildungsstandardsüberprüfungen als externe Evaluationsergebnisse gilt im Prinzip das Gleiche wie für die Auswertung von internen Daten. Mehr dazu finden Sie hier. Die logische Abfolge ändert sich nicht. Allerdings gibt es auch einige Unterschiede: So stoßen extern generierte Daten, v.a. wenn es um eine standardisierte Messung von Schüler/innenleistungen geht, meist noch auf deutlich geringere Akzeptanz als die Ergebnisse einer Selbstevaluation. Auch sind die Daten für gewöhnlich komplexer und für Lai/innen schwerer zu verstehen und zu interpretieren. Und nicht zuletzt geben Lernergebnismessungen per se keine unmittelbaren Anhaltspunkte dazu, worauf die Ergebnisse zurückzuführen sind und welche praktischen Konsequenzen gezogen werden können. All dies stellt Schulleitungen und Lehrer/innen in der Nutzung der Rückmeldungen zu den Bildungsstandards vor besondere Herausforderungen. Es sollen daher im Folgenden einige spezifische Anregungen gegeben werden, wie an Schulen mit diesen Daten umgegangen werden kann.

Anregungen für Schulleitungen finden sich auch in dieser Publikation: Bildungsstandards und Qualitätsentwicklung an Schulen. Impulse für Schulleiter/innen, BIFIE (Hrsg.), Graz: Leykam, 2012. https://www.bifie.at/system/files/dl/bist_impulse_schulleiterinnen_2012-12-28.pdf (19.11.2015)

Einstieg im Team

Der erste Schritt ist, dass sich eine Schule, dass sich Lehrer/innen und Teams den Ergebnissen der Bildungsstandardsüberprüfungen stellen und diese als nützliche Evaluationsdaten anerkennen – und nicht als Kontrollinstrument beargwöhnen und von vornherein ablehnen. Es braucht Neugierde („Wo sind unsere Schüler/innen gut? Wo nicht?“) und Mut („Wie schneiden wir in Bezug auf den Erwartungsbereich ab?“) – und natürlich auch Zeit.

Am besten man tut sich im Team zusammen – auch die Analyse und Interpretation dieser Vergleichsdaten zu Schülerleistungen gelingt am besten im Austausch und in der Diskussion mit anderen. Zur Unterstützung kann man eine Rückmeldemoderation anfordern, die fachliche Hilfestellung anbietet. Mehr dazu hier

Rückmeldungen verstehen

Dann gilt es die Rückmeldungen erst einmal zu lesen und zu verstehen. Die Berichte sind zwar so aufbereitet, dass ausgewählte Ergebnisse und Vergleichsdaten übersichtlich und grafisch dargestellt werden; aber für Personen, die mit derartigen Auswertungen bislang wenig zu tun hatten, sind die Messwerte und Kennzahlen nicht unbedingt auf Anhieb verständlich. Wichtig ist also, sich mit den angebotenen Daten vertraut zu machen und die Kernaussagen zu erfassen. Holen Sie sich bereits in dieser Phase Unterstützung durch eine statistisch erfahrene Person, nicht nur in Bezug auf einzelne Kennwerte, sondern auch was das allgemeine Zurechtfinden in den doch recht umfangreichen Berichten betrifft.

Rückmeldungen interpretieren

Sobald klar ist, was die Daten prinzipiell aussagen, geht es an die Interpretation. Dazu stellt man Detailfragen an das Datenmaterial, z.B. zum Anteil der Schüler/innen, die die Bildungsstandards übertroffen, erreicht, teilweise erreicht bzw. nicht erreicht haben, oder wie sich die Ergebnisse im Vergleich zu allen getesteten Schüler/innen oder im fairen (d.h. die Standortbedingungen berücksichtigenden) Vergleich verhalten. Dann kommt es zu einer Auseinandersetzung mit den Ergebnissen. Leitfragen dafür können sein:

·        Welches Ergebnis hatten wir erwartet?

·        Wo sehen wir Stärken, wo sehen wir Schwächen?

·        Welche Besonderheiten können wir erkennen?

·        Wie zufrieden sind wir mit dem Ergebnis?

·        Welche Erklärungsansätze könnte es geben?

Wirkmechanismen reflektieren

In dieser Phase zeigt sich bereits, wo Handlungsfelder liegen. Allerdings ist meist nicht klar, was tatsächlich verändert werden sollte und wie. Gerade die letzte Leitfrage ist oft nicht so leicht zu beantworten, die Bildungsstandardsüberprüfungen sagen darüber nichts aus. Schuldzuweisungen an Lehrer/innen oder gar Schüler/innen helfen nicht weiter. Aufgeben auch nicht, dann war die ganze Mühe umsonst.

Was es nun braucht ist eine Reflexion der Wirkmechanismen, die den Ergebnissen zugrunde liegen. Dazu braucht es meist weitere Informationen und Erklärungsansätze, wie und warum es zu diesen Ergebnissen kam / gekommen sein könnte – und was daher in Zukunft unternommen werden kann:

·       Man kann zum besseren Verständnis vorliegende Erkenntnisse aus internen Evaluationen oder Feedbackergebnisse heranziehen: Handlungsfelder, die sich dort zeigen, sind vermutlich auch für die Verbesserung von Lernergebnissen relevant.

·       Oder man reflektiert strukturiert anhand von Qualitätsfaktoren für einen gelingenden Unterricht, welche Aspekte im Unterrichtsgeschehen bislang zu kurz gekommen sind. Auch Intervisions-Gruppen (z.B. nach Michael Balint) bieten eine gute Möglichkeit, Erklärungshypothesen zu generieren.

·       Oder man wählt die Bereiche mit den schlechtesten Ergebnissen und setzt dort mit gezielter Förderung an, was allerdings die Gefahr des „Mehr vom Gleichen“ in sich birgt.

·       Wenn es keine überzeugenden Erklärungen gibt, kann man auch eine kleine zusätzliche Evaluation auf der Ebene der Lernprozesse ansetzen, um zu erkennen, wo man ansetzen soll.

Maßnahmen entwickeln und umsetzen

Sobald geklärt wurde, in welchen Bereichen Maßnahmen gesetzt werden sollen, geht es in die strukturierte Planung und Umsetzung. Ausführliche Informationen dazu finden Sie in hier


Last modified: Tuesday, 15 March 2016, 4:38 PM