Phase 4: Umsetzung

In der Phase 4 schließlich geht es darum, die Evaluationsergebnisse nutzbar zu machen. Mit ihr fügt sich die Evaluation in den Qualitätskreislauf ein. Erfolgreiche Evaluationen führen zu Schlussfolgerungen und weiteren Schritten in der Schul- bzw. Unterrichtsentwicklung. Hinweise, wie Sie dabei am besten vorgehen, gibt dieses Kapitel.

Den Kreis zu schließen beinhaltet auch eine kritische Rückschau, um für nächste Evaluationsvorhaben zu lernen. Denn schließlich kann eine Evaluation auch dazu führen, dass es Bedarf nach einer Folgeevaluation gibt: Auch darauf geht dieses Kapitel ein.

Ergebnisse aktiv verbreiten

Sind die Evaluationsergebnisse erst einmal zu Papier gebracht, ist ein wichtiger Schritt getan. Und wenn Betroffene und Beteiligte am Zustandekommen der Ergebnisse beteiligt waren, so ist auch der Informationsstand unter diesen Personen sehr gut. Was aber ist mit den anderen?

Wenn es an die Verbreitung bzw. Nutzung der Ergebnisse geht, stellt sich manchmal heraus, dass zu Beginn der Evaluation nicht genau genug geklärt wurde, wer die Daten/Ergebnisse in welcher Form bekommen bzw. was mit ihnen geschehen soll. In so einem Fall heißt es nachfassen, und diese Fragen zu klären (was meist mühsamer ist als zu Beginn), ansonsten drohen Konflikte oder es werden Ergebnisse ignoriert.

Sobald klar ist, wer über die Evaluation informiert werden soll, geht es an die Verbreitung der Ergebnisse. Eine beliebte Vorgehensweise ist es, den Evaluationsbericht im Lehrerzimmer auf- oder am Schulserver abzulegen. So ist er allen Lehrer/innen zugänglich und man hofft, dass diese ihn lesen. In der Realität geht diese Rechnung allerdings meist nicht auf, der Bericht geht im Alltagsgeschäft unter.

Außerdem werden auf diese Weise andere Betroffene und Beteiligte nicht erreicht. Waren diese in der Einstiegsphase eingebunden, werden sie sich jetzt eine Information über die Ergebnisse erwarten. Da geht es um Schüler/innen und Eltern, aber auch um andere Gruppen je nach Fragestellung der Evaluation. Aktive Formen der Verbreitung von Ergebnissen sind z.B. Diskussionen mit Schüler/innen, ein Bericht in der Schülerzeitung, eine Präsentation vor den Klassensprecher/innen oder in der Elternvereinsversammlung etc. Auch dies sollte geplant werden.

Es braucht also zusätzliche Aktivitäten, um eine (intensive) Beschäftigung mit den Evaluationsergebnissen bei den Betroffenen und Beteiligten anzustoßen. Eine Fokussierung auf die konkrete Befassung mit den Ergebnissen kann mit folgendem Raster erfolgen, auf dem weiterführende Fragen beantwortet werden sollen:

Wer soll über welche Ergebnisse der Evaluation informiert werden?

Was wollen wir, dass sie daraus erfahren?

Wie soll die Information erfolgen, damit sie Konsequenzen erwarten lässt?

Wer ist dafür verantwortlich, dass dies auch tatsächlich geschieht?

Welcher Zeitrahmen soll dafür zur Verfügung stehen?

Woran lässt sich erkennen, dass das angestrebte Ziel erreicht ist?


Grafik: Raster 

Raster dieser Art helfen, Verbindlichkeit herzustellen, da erfahrungsgemäß nach gemeinsamen Aktivitäten im Kollegium wieder die Arbeit in der Klasse im Vordergrund steht, wo nicht zuletzt auch wirksam werden soll, was im Rahmen der Evaluation erkundet wurde.

Ziele formulieren und Maßnahmen entwickeln

Die Schule hat für den Entwicklungsplan eine Ist-Analyse durchgeführt oder bereits Maßnahmen durch Evaluation überprüft. Damit die Ergebnisse dieser mühevollen Arbeit auch wirklich umgesetzt werden und nicht bloß gute Vorsätze bleiben, ist es erforderlich, Konsequenzen für die künftige Arbeit an der Schule zu ziehen.

Wurde die Phase 3 gründlich umgesetzt, dann ist aufgrund der Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Evaluation meist bereits klar, wo Veränderungsbedarf besteht und in welche Richtung(en) es weitergehen sollte. Im Rahmen einer professionellen Entwicklungsplanung ist dies nun in neue Ziele und Maßnahmen zu gießen.

Was ist zu tun?

Dabei ist in einem ersten Schritt zu klären, welche Entwicklungsfelder überhaupt angegangen werden sollen. Eine Stärken-Schwächen-Analyse kann in dieser Phase helfen, wichtige Entwicklungsbereiche zu identifizieren. Dann braucht es eine Priorisierung von möglichen neuen Zielen, schließlich kann man für gewöhnlich nicht alles auf einmal umsetzen. Voraussetzung für die Auswahl ist die Bedeutung für die Schule und den Unterricht. Zusätzlich können weitere Kriterien für die Reihung herangezogen werden: die Dringlichkeit von Veränderungen z.B., aber auch die Relevanz für die allgemeinen Ziele und Strategien der Schule (Leitbild, langfristige Ziele).

Dann werden konkrete Ziele entwickelt, die möglichst „SMART“ formuliert und mit einem Zeithorizont versehen werden. Was sind mittel- und langfristige Ziele, was kurzfristige? (Bis) Wann sollen die Ziele erreicht sein?

Aus den Zielen werden Maßnahmen abgeleitet. Es empfiehlt sich, dies in einem kreativen Setting (Brainstorming, Kreativtechniken) zu tun und fürs Erste Vorschläge zu entwickeln, die dann in einem weiteren Schritt auf Eignung und Machbarkeit untersucht werden.

Exkurs: Ziele formulieren

Wohlgeformte Ziele:

sind positiv und möglichst konkret formuliert;

nennen einen konkreten, überschaubaren Zeithorizont;

die Möglichkeit, sie zu erreichen, liegt innerhalb des eigenen Einflussbereichs.

 

Beispiel (Gymnasium; Qualitätsbereich 6: Schulpartnerschaft und Außenbeziehungen und Qualitätsbereich 1: Lernerfahrungen und Lernergebnisse):

Wir wollen im Hinblick auf das nächste Schuljahr erreichen, dass die Anzahl der Neuanmeldungen an unserer Schule um mindestens 10% steigt und auch die Behaltequote in/nach der 1. Klasse hoch ist (XY%)

Wie ist dies anzugehen?

Im Sinne von SQA ist diese Phase möglichst partizipativ zu gestalten – schließlich handelt es sich um die Vereinbarung von Zielen für die nächsten Jahre. Diese sollten von allen Schulpartner/innen getragen werden. Allerdings ist natürlich auch auf Machbarkeit und knappe Zeitressourcen zu achten.

Es kann also z.B. das SQA-Team (gemeinsam mit dem Evaluationsteam, so dies nicht ident ist) eine erste Sichtung der Schlussfolgerungen in Bezug auf neue Ziele vornehmen und mögliche (neue) Ziele und deren Priorisierung vorbereiten.

Oder es kann dieser erste Schritt in Phase 3 integriert werden, indem eine Auswertungskonferenz nicht nur Schlussfolgerungen erarbeitet, sondern diese auch in eine Rangordnung der Bedeutsamkeit für zukünftige Entwicklungen bringt.

Stehen die Ziele fest, können Maßnahmenvorschläge zu den vereinbarten Zielen auch von kleineren Gruppen erarbeitet werden. Die Ideen werden mit verschiedenen Gruppen der Schulpartner/innen noch einmal durchdiskutiert und dann verabschiedet. Wichtig ist, dass Entscheidungen zu Zielen und Maßnahmen in der Schule vergemeinschaftet werden, dass also Möglichkeit zur Mitsprache besteht.

Einen Vorschlag für die Gestaltung eines pädagogischen Tages mit den Schulpartner/innen zur Erarbeitung von (neuen) Zielen finden Sie hier zum Download.

Anregungen für ein Vorgehen zur Abstimmung von Maßnahmenvorschlägen im Kollegium finden Sie hier.

Die Umsetzung von Vorhaben angehen

Ziele und Maßnahmen zu vereinbaren und als Kern des (neuen) Entwicklungsplans schriftlich festzuhalten, trägt wesentlich zur Schulentwicklung bei. Ebenso wichtig ist es, durch ein vom Kollegium gemeinsam erstelltes und verabschiedetes Arbeitsprogramm Verbindlichkeit herzustellen: Es wird die Umsetzung der Maßnahmen angegangen, mit klaren Aufträgen und namentlich Verantwortlichen.

Die Leitfragen dazu sind aus dem Entwicklungsplan bekannt, der als zentrales Planungsdokument für diese Phase dient:

(Bis) Wann sollen die Maßnahmen gesetzt/die Ziele erreicht sein?

Wer ist für die Umsetzung der Maßnahmen verantwortlich?

Woran werden wir den Erfolg erkennen (Indikatoren) und wie werden wir ihn überprüfen (Evaluation)?

Was brauchen wir dazu von unserem BSI bzw. LSI?

Die Maßnahmen selbst werden einzeln und im Detail geplant:

Was wollen wir mit der Maßnahme erreichen?

Was genau wird umgesetzt? Wie?

Bis wann?

Wer ist verantwortlich?

Woran erkennen wir, dass die Maßnahme erfolgreich war?

Wie wollen wir das überprüfen?

Ein Raster, der alle Maßnahmen listet, erzeugt Übersichtlichkeit im Entwicklungsplan

Beispiel:

 

Ziel

Maß-nahmen

Zeit-horizont

für Um-setzung verant-wortlich

Indika-toren

Über-prüfung/
Evalua-tion

4.1

zu 3.1

 







Schließlich ist noch zu bedenken, was es sonst noch für die Umsetzung braucht. Neben (Zeit)Ressourcen ist das v.a. das notwendige Wissen und Know-how. Im Entwicklungsplan wird dies in Form eines Fortbildungsplans festgehalten

Fortbildungsplan:

Welches Wissen/Know-how brauchen wir für die Umsetzung der Vorhaben?

Worüber verfügen wir? Was fehlt uns noch?

Wie beschaffen wir uns das? Wie verbreiten wir ggf. Wissen/Know-how unter allen Beteiligten?

Anregungen für ein partizipatives Vorgehen bei der Planung von Maßnahmen finden Sie hier.

Informationen zu Entwicklungsplänen allgemein finden Sie hier.

Eine Übersicht von Merkmalen wirksamer Entwicklungspläne finden Sie hier.

Meta-Evaluation – oder: was lernen wir daraus für unsere nächste Evaluation?

Aus Evaluationen kann man doppelt lernen: für die evaluierten Qualitätsbereiche und Fragestellungen (darum geht es natürlich vorrangig), aber auch für die Durchführung von Evaluationen selbst. Die Qualitätsspirale, die die Schul- bzw. Unterrichtsentwicklung antreibt, kann auch für die Weiterentwicklung der Evaluationspraxis verwendet werden.

Leitfragen für die „Manöverkritik“

Gerade wenn Evaluation, wie in SQA vorgesehen, regelmäßig durchgeführt werden soll, zahlt es sich aus, am Ende eines Evaluationszyklus’ eine „Manöverkritik“ abzuhalten, die Evaluation also ihrerseits einer (kleinen) Meta-Evaluation zu unterziehen. Man lässt also die Evaluation mit ein paar einfachen Fragen noch einmal Revue passieren:

Was ist gut gelungen? Was hat sich bewährt?

Wo gab es Schwierigkeiten? Wie sind sie entstanden? Was könnten/sollten wir in Zukunft anders machen?

Es hat hier alles Platz: von allgemeinen Fragen zum Stellenwert der Evaluation in der Schul- bzw. Unterrichtsentwicklung, über die Einbindung von Schulpartner/innen bis zu methodischen oder organisatorischen Detailfragen.

Wer es genauer wissen will, kann auch die Checkliste für gute Evaluationen: Wie wird Evaluation seriös und erfolgreich? für die Reflexion heranziehen.

Im Sinne des Aufbaus von Know-how und Kompetenzen im Bereich Evaluation macht es auch Sinn, kritisch zu hinterfragen, wo es noch Bedarf an Unterstützung und Weiterbildung gibt – und dies in den Entwicklungsplan aufzunehmen. Nicht zuletzt sollte man die wichtigsten „Lernergebnisse“ aus dieser Reflexion schriftlich dokumentieren. Dann können auch zukünftige Evaluationsteams von Ihren Erfahrungen profitieren.

Resonanzgruppe für die Reflexion der Evaluation

Meist wird diese Rückschau von den Personen durchgeführt, die die Evaluation federführend umgesetzt haben, also vom Qualitäts- oder Evaluationsteam der Schule. Das ist ein erster wichtiger Schritt, es fehlen jedoch, wie Sie sicher gleich festgestellt haben, die Perspektiven anderer Personengruppen. Die kann man auf verschiedene Weise einholen: Man macht vielleicht noch einmal eine Umfrage unter den Betroffenen und Beteiligten, das ist ein sehr fundiertes Vorgehen, aber auch aufwändig.

Bewährt hat sich Folgendes: Man lädt Vertreter/innen dieser Gruppen in eine Resonanzgruppe, die gemeinsam mit dem durchführenden Team die Evaluation reflektiert. Für den nächsten Evaluationszyklus ist es eine Überlegung wert, diese Resonanzgruppe – für begleitendes Feedback und zur Qualitätssicherung – von Anfang an zu installieren ...

Nächste Evaluation planen

Nach der Evaluation ist vor der Evaluation.

Vielleicht haben Sie festgestellt, dass die Evaluation nicht nur Fragen beantwortet, sondern auch neue aufgeworfen hat.

Oder Sie läuten gerade den nächsten Zyklus in Ihrem Entwicklungsplan ein – der auch wieder evaluiert werden will.

So oder so: Evaluation wird Teil der pädagogischen Praxis.

Und: Sie haben bereits eine Evaluation durchgeführt und daraus einiges gelernt. Sie haben sich vielleicht auch für eine Evaluations-Weiterbildung angemeldet oder einen Austausch mit anderen Schulen organisiert. Beim nächsten Mal sind Sie noch besser gerüstet.

Ziele sollen SMART sein: Specific (konkret, personenbezogen, nicht allgemein), Measurable (messbar, wenn auch nicht immer quantifizierbar im strengen Wortsinn), Acceptable (mit ausreichender Akzeptanz bei den Beteiligten versehen), Realistic (machbar), Timely (mit erreichbarer Fristsetzung).


Last modified: Friday, 18 March 2016, 8:44 AM