Evaluation und Qualitätskultur gehören zusammen

Schließlich und endlich braucht es eine gelebte Qualitätskultur, damit Evaluation Früchte tragen kann. Was steckt dahinter?

Für SQA bedeutet eine schulische Qualitätskultur, dass es an einer Schule ein gemeinsames Verständnis und einen gemeinsamen Willen gibt, Schule und Unterricht – im Sinne der Qualitätsspirale – kontinuierlich zu reflektieren, zu evaluieren und weiterzuentwickeln. Dafür braucht es Zusammenarbeit und Vertrauen an der Schule, dies aufzubauen ist ein längerer Entwicklungsprozess. Dieser Prozess ist sowohl in gewissem Maß Vorbedingung für Evaluation als auch – wenn Evaluation richtig angegangen wird – eine Folge von Evaluation. Wie das funktionieren kann, wurde bereits unter den Stichworten Partizipation und Vertrauen beschrieben.

Offenheit und Lust auf Neues statt einseitiger „Fehlerkultur“

Essentiell für die Entwicklung einer Qualitätskultur ist auch der Umgang mit „negativen“ Ergebnissen. Gerade Schulen können Horte einer sehr einseitigen „Fehlerkultur“ sein, in der „Fehler“

·       prinzipiell negativ sind – schließlich bekommen Schüler/innen schlechte Noten, wenn sie Fehler machen –

·       und daher vermieden werden soll(t)en.

Außerdem sind Fehler meist klar definiert: „richtig“ und „falsch“, „gut“ und „schlecht“ sind als Kategorien absolut – und nicht relativ und abhängig von verschiedenen Bedingungen oder Perspektiven. Die „Schuldigen“ sind schnell gefunden. Und klar ist auch, dass Fehler (wenn sie sich schon nicht verhindern lassen) möglichst verborgen bleiben sollen. Wenn sie doch offenkundig werden, sind sie auszumerzen. Bewertung wird zur Abwertung.

Gibt es eine stark negative Fehlerkultur, erzeugt sie Starre, engt Bewegungsspielräume ein und ist für Evaluation und Qualitätsentwicklung kontraproduktiv.

Im schlimmsten Fall

·       erzeugt diese „Fehlerkultur“ Angst vor Kontrolle, Bloßstellung und Beschämung und damit auch Widerstand gegen Evaluation

·       verhindert sie, dass Lehrer/innen sich darauf einlassen, auch Neuland zu betreten und Unübliches zu erproben

·       und behindert sie einen offenen Austausch zwischen Lehrerinnen und Lehrern: über ihre Unterrichtserfahrungen, über Gelungenes und über weniger gut Gelungenes.

Was braucht es stattdessen?

Grundlagen einer Qualitätskultur

Selbstverständlich sind Fehler in vielen Fällen nicht erwünscht oder angenehm. Und selbstverständlich ist man fürs Erste nicht erfreut, wenn ein Vorhaben nicht gelingt. Manchmal ist aber auch nicht klar, ob etwas nun erfolgreich war oder nicht, weil die Bewertung sich je nach Perspektive ändert. Schule und Unterricht stecken ja voller Zielkonflikte und Dilemmata. Und schließlich kann jeder und jede einmal Fehler machen – wichtig ist, dass und was man daraus lernt.

Für eine Qualitätskultur an der Schule braucht es daher eine gemeinsame Sicht,

·       dass der Erfolg von Schule und Unterricht von vielen Faktoren abhängen und Zielkonflikte und Dilemmata das tägliche Brot sind

·       dass es die perfekte Schule, die perfekte Lehrkraft, die perfekte Schülerin/den perfekten Schüler nicht gibt

·       dass es nicht unbedingt um „gut“ oder „schlecht“ geht, sondern oft eher darum, Dinge anders zu sehen und/oder zu tun

·       dass es wichtig ist, gelassen zu bleiben, Routinen auch einmal zu verlassen und Neues auszuprobieren – auch wenn das vielleicht bedeutet, dass nicht gleich alles so läuft, wie man sich das wünscht

·       dass „Fehler“ Lernchancen sind

·       und dass es anstatt um „Fehlervermeidung“ darum geht, die eigene Verantwortung wahrzunehmen und Evaluationsergebnissen Taten folgen zu lassen.

Mehr zu Qualitätskultur siehe hier.

Last modified: Wednesday, 15 November 2017, 8:56 PM