Evaluation braucht Partizipation und Vertrauen

Es erfordert Mut, sich einer Außensicht zu stellen, kein Zweifel. Für manche ist es ein Sprung ins kalte Wasser, und mitunter ist es auch richtig unangenehm. Aber es nötigt den Mitmenschen immer auch Respekt ab, und das kann der Beginn einer Erfolgsgeschichte sein. Denn das belegen Forschungsergebnisse zur Genüge: Guter Unterricht, gute Schule beruhen auch und nicht zuletzt auf der gemeinsamen Diskussion und Analyse systematisch gesammelter Daten und Rückmeldungen, auf einer Feedback-, Reflexions- und Evaluationskultur. Wie kann man die Entwicklung einer derartigen Erfolgsgeschichte fördern?

Partizipatives Vorgehen

SQA fußt auf einem partizipativen Vorgehen. Gelebte Qualität braucht gemeinsame Ziele, Vertrauen und Beteiligung. Worauf es ankommt? 

Dies gilt in besonderem Maße auch für die Evaluation als Teil von SQA. Um es mit Michael Patton, einem amerikanischen Evaluationsforscher, zu formulieren: „Es gibt 5 Faktoren für eine nützliche Evaluation, es sind dies: Menschen, Menschen, Menschen, Menschen und Menschen.“

Betroffene und Beteiligte (bzw. Neudeutsch „Stakeholder“) spielen also eine wichtige Rolle. Das sind:

·       die Schulleitung, die die Evaluation unterstützt und auch selbst aktiv werden kann

·       die Schulkoordinator/innen und Qualitätsteams, die oft auch in Evaluationen eine tragende Rolle spielen

·       die Lehrkräfte, die die Evaluation mitgestalten und unterstützen oder – im Fall der Unterrichtsevaluation – selbst veranlassen und durchführen

·       die Schüler/innen, die Feedback geben, aber gegebenenfalls auch selbst Daten erheben und auswerten

·       die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten

·       externe Kooperationspartner/innen, die meist als Befragte ihre Beobachtungen, Meinungen und gegebenenfalls Wünsche kundtun.

Diese Gruppen – je nach Ziel und Fragestellung der Evaluation – einzubeziehen, ist aus mehreren Gründen wichtig:

Einerseits braucht die Evaluation Rückmeldungen aus verschiedenen Perspektiven, um „gut“ zu werden und alle wichtigen Aspekte abzudecken (s. auch Triangulation). Andererseits wird so „Ownership“ und Akzeptanz gefördert: Wer weiß, warum und wozu evaluiert wird, bereits in der Einstiegsphase an wichtigen Entscheidungen beteiligt war, während der Evaluation zu Wort gekommen ist und zur Interpretation beigetragen hat, wird größeres Vertrauen in die Glaubwürdigkeit haben und auch eher bereit sein, die Ergebnisse der Evaluation ernst zu nehmen und für die weitere Arbeit zu nutzen. Ein partizipatives Vorgehen hilft daher dabei, Ängste ab- und Vertrauen und guten Willen aufzubauen.

Und nicht zuletzt ist es ein Gebot der Fairness, Ziele und Zwecke von Evaluationen transparent zu machen und den verschiedenen Betroffenen und Beteiligten eine Stimme zu geben.

Wie Partizipation in verschiedenen Situationen gelingen kann, dazu finden Sie Anregungen in den Verfahrensvorschlägen.

Aufbau von Vertrauen

Vertrauen ist entscheidend: Ohne Vertrauen keine Offenheit, ohne Offenheit keine Lernchance. Wer also dafür sorgen möchte, dass Rückmeldungen und Evaluation ihre positive Wirkung entfalten können, wird gut beraten sein, zu einem Klima des Vertrauens unter den Beteiligten beizutragen.

Dazu braucht es das beiderseitige Wissen, was der Zweck der Übung ist, den Respekt vor dem/der anderen und seinen/ihren bisherigen Leistungen und die Wahl des richtigen Tons. Es braucht transparent vereinbarte „Spielregeln“, vor allem natürlich wechselseitige Vertraulichkeit und ein behutsames Vorgehen in kleinen Schritten.

Symmetrie kann sehr hilfreich sein, um die erste Hemmschwelle zu überwinden: Öffnest du dich, gebe ich auch etwas von mir her. Halten die getroffenen Vereinbarungen, entsteht allmählich Vertrauen, und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, mit Feedback und Evaluation Aufwind zu erzeugen, für sich selbst, für die Sache und die Schüler/innen.


Last modified: Tuesday, 23 February 2016, 2:41 PM