Evaluation läuft systematisch und in Phasen ab

Vier Phasen der Evaluation

Grundsätzlich verläuft Evaluation in einer systematischen Form, die sich in vier Phasen gliedern lässt:

Sie startet mit einer Einstiegsphase (Phase 1), in der die wichtigsten Weichenstellungen vorgenommen werden und die Evaluation im sozialen Umfeld verankert wird. Dann wird die Evaluation konkret geplant und durchgeführt (Phase 2). Darauf folgt eine Phase der Auswertung und Ergebnisdarstellung (Phase 3) und schließlich geht es in die Umsetzung der Schlussfolgerungen (Phase 4)


Die Evaluation beschreibt also ihren eigenen (kleinen) Kreis, der seinerseits der Logik der Qualitätsspirale folgt, und gliedert sich dann in der Phase 4 wieder in den (größeren) Qualitätskreislauf ein. So soll auch sichergestellt werden, dass Evaluationen Folgen haben. Gerade die Phase 4, die Evaluation und (zukünftiges) Handeln verbindet, wird oft als „Stiefkind“ behandelt, obwohl sie letztlich ausschlaggebend für den Erfolg einer Evaluation ist: Was nützen die besten Daten, wenn daraus keine praktischen Konsequenzen gezogen werden? Damit Evaluation nicht Selbstzweck wird, ist also die Phase 4, die Umsetzung, von Anfang an mitzudenken und einzuplanen. Sämtliche Phasen werden in den folgenden Kapiteln noch im Detail beschrieben.

Systematisches Vorgehen

Das Um und Auf in der Evaluation ist: die Systematik zu verinnerlichen. Gerne springt man direkt in die Durchführung: Irgendwo findet sich ein Fragebogen oder ein anderes Evaluationsinstrument, das zu passen scheint – und man legt los. Das kann im Einzelfall funktionieren, meistens merkt man spätestens in der Auswertung bzw. der Diskussion der Befunde mit anderen, dass die Daten doch nicht so brauchbar sind und/oder das Interesse bei anderen Beteiligten und Betroffenen nicht in dem Maße vorhanden ist, wie man sich das gewünscht hätte.

Das systematische Vorgehen bedeutet also zunächst einmal innezuhalten und gemeinsam nachzudenken – und dem Impuls, sofort aktiv zu werden, zu widerstehen. Erst dann geht es in Planung und Durchführung. Das Nachdenken lässt sich gut mit W-Fragen bewerkstelligen, dazu im Kapitel „Einstieg“ mehr.

Verschränkung von Handeln und Evaluieren

Dabei geht die Planung des Vorhabens über in die Planung der Evaluation: So sind die definierten Ziele und Maßnahmen des Vorhabens („Was wollen wir erreichen?“ „Wie?“), gleichzeitig Vorgabe für die Evaluation, die nun z.B. fragen muss: „Haben wir erreicht, was wir erreichen wollten? Woran erkennen wir das? Was müssen wir wissen, damit wir diese Frage beantworten können? Was ist wichtig in diesem Zusammenhang?“ etc.

Diese enge Verschränkung bedeutet auch, dass Versäumnisse in der Planung des Vorhabens sich auch in der Evaluation niederschlagen. Dann müssen z.B. Ziele des Vorhabens und Vorstellungen über die Wirkungslogik („Wie sollen unsere Maßnahmen wirken, um unsere Ziele zu verwirklichen?“) geschärft oder genauer beschrieben werden, um eine Basis für die Evaluation zu haben.

Was kann passieren, wenn die Systematik fehlt?

Beherzigt man diese systematische Vorgehensweise nicht, kann es passieren, dass

·       zwar mit viel Mühe Daten erhoben werden, diese aber nicht zu den Fragestellungen passen – und sich daher im Nachhinein als nicht aussagekräftig herausstellen („Themenverfehlung“)

·       die Evaluation nicht in der Form und Qualität durchgeführt werden kann, wie ursprünglich geplant (oder gar vielleicht überhaupt scheitert) (mangelhafte Durchführung)

·       wichtige Betroffene und Beteiligte sich nicht eingebunden fühlen und die Evaluation ignorieren oder gar „bekämpfen“(mangelnde Akzeptanz, s. auch Partizipation)

·       verschiedene Sichtweisen über wichtige Zielsetzungen von Vorhaben und Evaluation nicht berücksichtigt werden und die Evaluationsergebnisse daher nicht aussagekräftig sind und nicht (oder nur wenig) genutzt werden (einseitige Perspektive, s. auch Partizipation)

·       die Ergebnisse zwar inhaltlich aussagekräftig sind, aber zu spät kommen, weil Entscheidungen bereits vor Abschluss der Evaluation getroffen werden mussten (verfehlte Zeitplanung)

·       die Ergebnisse zwar inhaltlich aussagekräftig sind und die Schlussfolgerungen klar, es aber weder Zeit noch Ressourcen gibt, die Ergebnisse umzusetzen (fehlende Umsetzung).

Gerade in der Einstiegsphase werden wichtige Entscheidungen getroffen; Sie finden daher im nächsten Kapitel einen kleinen Leitfaden, was Sie (gerade) zu Beginn alles berücksichtigen sollten. Aber auch in den folgenden Phasen ist es meist sinnvoll, sich kurz noch einmal zu fragen, ob man dabei ist, in der Evaluation „das Richtige richtig zu tun“.


Last modified: Monday, 7 March 2016, 12:52 PM