Evaluation und Feedback: Was bringt das?

Was tun Profis, um den Erfolg ihres Handelns abzusichern? Sie fragen nach, sie vergewissern sich, sie überprüfen, lassen sich von anderen Expert/innen über die Schulter schauen. Auch wenn es keine objektive Wahrheit gibt im menschlichen Miteinander, so doch den Blick aus unterschiedlichen Perspektiven! Lehrer/innen sind mit Formen der Evaluation aus ihrer täglichen Arbeit ja grundsätzlich vertraut: Sie bewerten die Leistungen von Schüler/innen, sie reflektieren ihren Unterricht oder auch Entwicklungen an ihrer Schule. Und doch sind Feedback und Evaluation ein heißes Eisen bei Unterrichts- bzw. Schulentwicklung.

 „Heißes Eisen“ Evaluation?

Woran liegt das? Rückmeldungen sind immer auch ein Blick in den Spiegel, und was uns da entgegenblickt, kann angenehm und motivierend sein, manchmal aber auch weniger erfreulich. Und: Evaluation – das hat mit Wertung zu tun. Ein heikles Thema, vor allem, wenn es die eigene Arbeit betrifft. Da geht es auch um Emotionen, um die Angst vor dem Aufdecken (vermeintlicher) Schwächen, vor Konflikten und vor möglichen Konsequenzen.

Bloßstellung vor anderen und persönliche Krän­kung vermeiden zu wollen, ist ein ganz natürlicher Impuls. Evaluation und Feedback werden daher oft mit Unsicherheit, Ängsten und Widerständen in Zusammenhang gebracht. Für professionelles Handeln braucht es aber eine Außensicht und eine kritische Reflexion. Es ist also wichtig, mit Feedback und Evaluation so umgehen zu lernen, dass die Vorteile sicht- und erlebbar werden. Wie kann das gehen?

Die genannten Ängste und Widerstände haben vor allem mit einer weit verbreiteten negativen „Fehlerkultur“ zu tun, mit unklaren Regeln, mit mangelnder Einbindung von Beteiligten und Betroffenen sowie mit fehlendem Vertrauen. Soll Evaluation Wachstum und Entwicklung fördern, dann ist das primär eine Frage der Haltung und des Klimas. Dazu braucht es vertrauensbildende Maßnahmen, verbindliche Vereinbarungen, die Beteiligung Betroffener und eine Schulkultur, in der Fehler als Lernchance gesehen werden.

So kann es etwa hilfreich sein, wenn Führungspersonen, die den Einsatz von Feedback in ihrer Organisation verstärken wollen, mit gutem Beispiel vorangehen, indem sie selbst Feedback von ihren Mitarbeiter/innen einholen und die Ergebnisse mit ihnen besprechen. Weiters ist es wichtig, „geschützte Räume“ für Beteiligte einzurichten, in denen sie ihre Feedback-Ergebnisse ohne Angst vor Publikmachung austauschen können. Vor allem im Anfangsstadium erscheint es ratsam, in jeder Hinsicht niederschwellig zu beginnen (z. B. was die Brisanz des Themas oder die Größe des involvierten Personenkreises betrifft). Und immer braucht es Klarheit und Transparenz hinsichtlich der Frage nach dem WOZU?

Was bringen Evaluation und Feedback?

Hat man sich dazu durchgerungen, helfen Evaluation und Feedback die bisherigen Bemühungen zur Qualitätsentwicklung (noch) glaubwürdiger und professioneller zu gestalten. Durch Evaluation wird die Reflexion zu Unterricht und Schule bewusster und systematischer vollzogen und auf eine belastbare, empirische Basis gestellt: Zur eigenen (intuitiven) Beobachtung und Einschätzung kommen nun Feedback und andere empirische Informationen, die es erlauben, das Geschehen umfassender und genauer zu erkennen und „blinde Flecken“ in der eigenen Wahrnehmung auszuschalten. Dies kann in verschiedener Weise genutzt werden:

·       So bietet Evaluation die Möglichkeit, die eigene tägliche Arbeit besser zu verstehen und „Knackpunkte“ von Schule und Unterricht zu erforschen.

·       Evaluation unterstützt die Selbstvergewisserung: Bin ich/sind wir auf dem richtigen Weg?

·       Sie hilft bei der Weiterentwicklung der eigenen Praxis: Was kann ich/können wir noch verbessern? Und wie?

·       Zusätzlich macht Evaluation die Qualität der Arbeit der Schule sichtbar – nach innen, aber auch nach außen.

·       Sie ermöglicht es daher auch „datenbasiert“ und in einer sachlichen Art und Weise mit (externen) Ansprüchen – der Schulpartner, der Schulaufsicht, anderer „Stakeholder“ – umzugehen: Wie (gut) arbeiten wir tatsächlich? In welchen Bereichen liegen unsere Stärken? Wo gibt es Entwicklungspotenziale? Was können/sollen wir tun?

Evaluation dient in SQA also dazu, dass Schulen und Lehrkräfte mehr über ihr eigenes Tun (und dessen Wirkungen) erfahren, dadurch mehr Sicherheit in der eigenen professionellen Praxis gewinnen und fundierte(re) Entscheidungen treffen können.

Wie Evaluation in SQA so umgesetzt werden kann, dass positive Wirkungen für alle Beteiligten – die Lehrkräfte, die Schüler/innen und andere „Stakeholder“ – entstehen, dazu finden Sie Informationen und Anregungen in Kapitel 2: Wie geht Evaluation und was ist dabei zu beachten? sowie in den Kapiteln zu den vier Phasen der Evaluation.

 


Last modified: Friday, 19 February 2016, 8:47 AM