Evaluationsarten: Wer evaluiert? In wessen Auftrag?

Man spricht von interner und externer, von Selbst- und Fremdevaluation – je nach Auftraggeber/in, Durchführung, Datenhoheit oder Entscheidungsgewalt über Konsequenzen.

Selbstevaluation und interne Evaluation

Im Schulbereich – und damit auch in SQA – wird vor allem die Selbstevaluation bzw. die interne Evaluation praktiziert. Die beiden Begriffe werden in der Praxis oft synonym verwendet, die folgenden Differenzierungen bieten zusätzliche Unterscheidungen:

Von Selbstevaluation spricht man dann, wenn Personen oder Teams ihr eigenes Handeln evaluieren. Dies ist bei der Unterrichtsevaluation meist der Fall. Lehrer/innen sind in diesem Fall sozusagen in Personalunion auch Evaluator/innen. Sie geben sich – für gewöhnlich – selbst einen Auftrag.

Wird auf Schulebene evaluiert, so handelt es sich meist um eine so genannte interne Evaluation, sie wird meist von einer Gruppe von Personen für die gesamte Schule durchgeführt, findet also intern statt, es sind aber nicht zwangsläufig alle Lehrkräfte eingebunden und es betrifft die Evaluation auch nicht nur das eigene professionelle Handeln der Evaluierenden, sondern (auch) allgemeine Fragestellungen der Schulqualität und Schulentwicklung. Der Auftrag kommt von der Schulleitung und/oder es gibt einen gemeinsamen Beschluss des Kollegiums. Federführend bei internen Evaluationen sind oft Personen mit entsprechendem Tätigkeitsprofil sowie einer einschlägigen Ausbildung: in SQA also Schulqualitätskoordinator/innen und Qualitätsteams.

Selbstevaluation und interne Evaluation sind vor allem formativ ausgerichtet, d.h. sie dienen der (Weiter)Entwicklung. Bisweilen werden solche Evaluationen aber auch dazu genützt, die eigene Tätigkeit zu dokumentieren und – gegebenenfalls auch für externe – transparent zu machen.

Externe Evaluation

Weiters ist es möglich, dass Schule oder Unterricht extern evaluiert werden. Auch in diesem Fall gibt es Varianten:

„Klassisch“ ist die externe Fremdevaluation durch externe Expert/innen, Wissenschafter/innen oder auch die Schulaufsicht. Sie ist oft summativ angelegt und betrifft die Schule als ganze oder größere Bereiche, d.h. soll einen Art Qualitätsnachweis für die Schule erbringen. Gerade bei der Evaluation von Reformen oder innovativen Projekten sind externe Evaluation jedoch oft eher formativ und auf konkrete Maßnahmen oder (Qualitäts)Bereiche ausgerichtet: sie dienen der datengestützten Begleitung und Entwicklung von Vorhaben und stellen so für Schulen eine wichtige Ressource und Unterstützung dar.

Eine sehr niederschwellige Version von externer Evaluation ist das Beiziehen von Außenstehenden in die interne oder Selbstevaluation. Sie ist eine Art „Mischform“ zwischen interner und externer Evaluation, lässt sich (vergleichsweise) leicht bewerkstelligen und punktet durch die externe Sicht.

Peer Evaluation/Peer Review: So gibt es z.B. die Möglichkeit der – meist – formativen Evaluation durch Kolleg/innen. Auch diese kann – als kollegiales Hospitieren oder kollegiale Unterrichtsevaluation – innerhalb der Schule v.a. für die Unterrichtsevaluation und -entwicklung eingesetzt werden. Sie ist dann insofern „extern“, als es um den Blick von außen durch eine Kollegin oder einen Kollegen geht, Veranlasst und organisiert werden Peer Evaluationen durch die betroffenen Lehrkräfte selbst (siehe Kollegiale Unterrichtsbeobachtungen).

Auf Schulebene gibt es das Peer Review durch Kolleg/innen aus anderen Schulen, die sich auf der Basis der internen Evaluation der Schule in einem Vor-Ort-Besuch ein eigenes Bild machen und der Schule eine Rückmeldung auf Augenhöhe geben. Auch diese Form der Evaluation dient also der Schul- bzw. Unterrichtsentwicklung, sie wird von der evaluierten Schule „in Auftrag gegeben“. Sie eignet sich nicht als Ersatz für Inspektionen oder ähnlich gelagerte summative Evaluationen. Praktiziert wird Peer Review auf Schulebene in den berufsbildenden Schulen in Österreich. Mehr dazu hier


Last modified: Tuesday, 23 February 2016, 11:23 AM