„Alltagsevaluation“ und professionelle Evaluation – wo liegt der Unterschied?

Evaluation als professionelle Tätigkeit unterscheidet sich von den Bewertungen, die wir alle im Alltag ständig vornehmen. Diese Abgrenzung bedeutet nun aber nicht, dass für eine seriöse und aussagekräftige Evaluation im Rahmen schulischer Qualitätsentwicklung aufwändige und anspruchsvolle wissenschaftliche Forschungen vorgenommen werden müssen. Das kann Schule, das können Lehrkräfte gar nicht leisten. (Sehr wohl kann dies aber von einer wissenschaftlichen, externen Evaluation erwartet werden.)

Merkmale von Evaluation im Vergleich zu Alltagsbewertungen

Eine gewisse „Wissenschaftlichkeit“ muss jedoch sein, damit in professionellem Sinn von Evaluation die Rede sein kann: Evaluation geht über die intuitiven Bewertungen, wie man sie in vielen Situationen im Alltag sozusagen „aus dem Bauch heraus“ macht, hinaus. Die Zauberwörter sind „systematisch“ und „empirisch“, d.h. auf der Basis von Daten, „dokumentiert“ und „intersubjektiv nachvollziehbar“: Das sind die Merkmale von professioneller Evaluation.

Beispiel

Hier nun ein Beispiel, um den Unterschied zwischen Alltagsbewertung und professioneller Evaluation zu veranschaulichen:

Schüler/innen haben im fächerübergreifenden Unterricht gelernt, ihre Projekte in professioneller Art und Weise vorzustellen. Nun möchten die Lehrkräfte (und auch die Schüler/innen) wissen, wie gut sie das Präsentieren beherrschen. Grundlage für die Evaluation sind die Abschlusspräsentationen, die Schüler/innen vor den beteiligten Klassen halten.

Diese Präsentationen sollen folgendermaßen bewertet werden:

1) Eine erfahrene Person, die bereits selbst viele Präsentationen gehalten hat, notiert zu jeder Präsentation ihre persönlichen Eindrücke. Sie nutzt besonders „starke“ Adjektive (z.B. „exzellent“, „unvollständig“), um die Besonderheiten der jeweiligen Präsentationen zu kennzeichnen.

2) Die Präsentationen werden von drei Schüler/innen entlang eines einheitlichen, strukturierten Beobachtungsschemas protokolliert. Dabei werden verschiedene Dimensionen unterschieden. Nachfolgend werden die festgehaltenen Beobachtungsdaten verglichen. Als Zusammenfassung werden für jede Beobachtungsdimension eine Schulnote und eine kurze Begründung angegeben.

Welches Vorgehen kann nun als Evaluation in unserem Sinne gelten?

Die Bewertung in Beispiel 1 wird zwar von einer erfahrenen Person durchgeführt, sowohl Beobachtung als auch Bewertung sind jedoch unsystematisch. Man weiß nicht, was beobachtet wurde und nach welchen Kriterien beurteilt wurde. Es werden keine „Daten“ (im Sinne von empirischen Beobachtungen) gesammelt und dokumentiert, der gesamte Prozess kann von anderen Personen nicht nachvollzogen werden. Die Beurteilungen sind zwar markig, aber nur wenig aussagekräftig, v.a. wenn die Präsentationstechnik von den Schüler/innen auf dieser Basis verbessert werden soll. Es handelt sich hier also nicht um eine Evaluation.

Im zweiten Beispiel wird systematisch vorgegangen, es werden Daten erhoben und protokolliert. Die Bewertungen sind auf dieser Basis gut nachvollziehbar. Es handelt sich in diesem Fall also klar um eine Evaluation.

Quelle: Beispiel durch Autorin adaptiert von Balzer/Bewyl 2015

 

Wie eine seriöse Evaluation in der Schule möglich ist, zeigen die nächsten Kapitel.


Last modified: Friday, 19 February 2016, 8:36 AM