Themen dieses Kurses

  • Allgemeines

    DIALOGISCHE FÜHRUNG IM (PSEUDO)HIERARCHISCHEN SYSTEM SCHULE – NAIVES FÜHRUNGSVERSTÄNDNIS ODER PROFESSIONELLE FÜHRUNGSHALTUNG?

    Dialogische Führung: Dieses Kapitel als Download

    Bilanz- und Zielvereinbarungsgespräche (BZG): Gesamttext als Download

    Es besteht kein Zweifel – das System Schule befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Lehrer/innen, Schulleitungen und Schulaufsicht empfinden eine immer höhere Spannung. Warum?

    Das Bildungssystem ist hierarchisch-bürokratisch organisiert, wie auch z.B. politische Parteien, Kirchen etc. Bis vor gar nicht allzu langer Zeit haben „Führungskräfte“ oftmals mit Verordnungen, Erlässen, (Bitt)Weisungen, Übermittlung von Konzepten versucht, Veränderungen an „ihren“ Schulen als nachgeordnete Dienststellen zu bewirken. Diese Steuerungslogik versagt heute. Warum?

    1. Unsere Welt wird immer vernetzter, komplexer, schnelllebiger und gleichzeitig individualisierter. Rasante technische Entwicklungen (z.B. Informations- und Kommunikationstechnologien, virtuelle Welten), wirtschaftliche Rahmenbedingungen (z.B. Budgetknappheit, Ökonomisierung von Bildung) und gesellschaftliche Veränderungen (z.B. geänderte Familienstrukturen, Notwendigkeit von Ganztagesbetreuung der Schüler/innen, Migrationsproblematik etc.) verlangen Entscheidungen vor Ort – in jener Organisation (Schule), wo diese Komplexität auftritt. Entscheidungen müssen maßgeschneidert und sehr rasch unter den standortspezifischen (regional oft sehr unterschiedlichen) Rahmenbedingungen getroffen sein.

    2. Wenn notwendige bildungspolitische Vorgaben (z.B. die flächendeckende Implementierung kompetenzorientierter Lehrpläne sowie eines kompetenzorientierten Unterrichts durch Realisierung der Bildungsstandards und der darauf abgestimmten Prüfungen) in der schulischen Praxis umgesetzt werden sollen, wird vielfach „alles hier und jetzt und von jedem“ verlangt. Geht es jedoch um tiefgreifende Veränderungen (z.B. eine geänderte Rollenwahrnehmung der Lehrerin/des Lehrers für die Organisation Schule), wird der Steuerungsfaktor Zeit oftmals unberücksichtigt gelassen (Abbildung 1).

    Abb. 1: „Gut Ding braucht Weile …“

    Oft überholen die aktuellen Ereignisse gut überlegte Planungen. Notwendigkeiten und politische Entscheidungen stehen manchmal sehr überraschend „vor der Tür“. Darauf wird dann meist mit viel Überzeugungsarbeit der Führungskräfte gegenüber den anderen Hierarchieebenen bzw. gegenüber den Mitarbeiter/innen reagiert. Weitaus später – wir haben es ja mit einem schwerfälligen bürokratischen System zu tun – werden zögerlich und meist unzureichend rechtliche Grundlagen und/oder erforderliche Strukturen „nachgereicht“:
    (z.B. gesetzliche Verankerung eines schulischen Qualitätsmanagementsystems im Bundesschulaufsichtsgesetz und Bereitstellung von Ressourcen sowie Nominierung von Qualitätsbeauftragten). Hier endet meist das Tun der Führungsverantwortlichen. Diese Schritte sind zwar notwendig, allerdings nicht hinreichend, um
    • langfristig spürbare Veränderungsprozesse zu gestalten und die Haltung, die emotionale Akzeptanz der Betroffenen und Beteiligten (siehe grüner Pfeil) zu „berühren“. Diese können, wenn sie das wollen, weiterhin in der „Komfortzone“ bleiben – es passiert nachhaltig nichts!
    • die jahrzehntelang bewährten und subjektiv gut begründeten Umgehungstaktiken erfahrener Systemkenner/innen („Wir haben schon viele Reformen erlebt, aber noch keine mitgemacht“), auszuhebeln.

    Ein Text von Karin Schubert & Walter Degendorfer
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