Themen dieses Kurses

  • Allgemeines

     Lob der Anfänger: Gesamttext als Download

    Kinder sind keine Fässer, die gefüllt, sondern Flammen, die entzündet werden wollen.

    François Rabelais, Schriftsteller, Arzt, Lehrer und Mönch, 1494 – 1553

    Dass jeder Mensch anders lernt, ist ja eigentlich selbstverständlich. Und doch ist das eine lange vernachlässigte Erkenntnis. Lernen wurde in der Schule eher als die passive Seite von Belehrung verstanden, nicht als eine konstruktive Leistung aktiver Individuen, von denen keines genauso wie ein anderes tickt.

    Lernen ist das Allerindividuellste auf der Welt, nur noch übertroffen von der Liebe, meinte der große österreichische Physiker, Philosoph und Informatiker Heinz von Foerster. Der einstige Wiener Schulversager erfand nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA das Prinzip der Parallelrechner und begründete dort die Philosophie des „radikalen Konstruktivismus“.

    Heinz von Foerster war sicherlich der Extremfall eines genialen Unbelehrbaren. Aber an seinem Leben zeigt sich, dass Lernen nicht das Gleiche ist, wie belehrt zu werden. Lernen ist kein Kopieren, kein Einfüllen, so passend ein Trichter auch justiert sein mag. Lernen ist auch nicht mit dem Programmieren eines Systems vergleichbar. Selbst das Übernehmen von standardisierten Wissenselementen verlangt immer noch eine individuelle Anverwandlung des Neuen.

    Lernen ist ein Dialog. Nach außen ist es ein Dialog mit den Boten der Überlieferung und nach innen ist es ein Dialog des lernenden Individuums mit sich selbst. Letzteres ist nach der klassischen Definition von Platon Denken. Er nannte es „das Gespräch zwischen mir und mir selbst“. Denkende und Lernende können mit sich nie völlig einig sein. Was hätte ein Individuum sich auch zu sagen, wenn es so absolut mit sich identisch und einverstanden wäre, so wie man sich das lange Zeit vorstellte, mit dem Kopf als der Kommandozentrale und dem Körper als dessen ausführenden Organen. Und wie der Körper dem Kopf, so schien auch jeder Mensch wie ein Rädchen im Getriebe des von oben gesteuerten Ganzen, stumm, gut funktionierend und ohne Eigensinn, ein Hohlkörper, eben ein Fass, das gefüllt wird.

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    Ein Essay von Reinhard Kahl