Themen dieses Kurses

  • Allgemeines

    Download Wozu Schulentwicklung? Wozu SQA?: Text als Download

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    Schule gestalten – ein fortwährender Prozess, bei dem ständig alles in Bewegung ist: Menschen, ohnehin alle verschieden, entwickeln, verändern sich; die Anforderungen der Gesellschaft werden komplexer, widersprüchlicher, immer dringlicher. Die Schule, seit jeher Zankapfel politischer, ökonomischer, medialer Interessen, soll bewahren und verändern zugleich – ein Widerspruch, der ihre Entwicklung bremst, Stillstand für die einen, immer noch zu viel des Guten für die anderen.

    Aus welcher Perspektive auch immer: Letztendlich geht es um die Schülerinnen und Schüler, um ihr Lernen, ihre Entwicklung und darum, wie wir alle – Pädagog/inn/en, Schulaufsicht, Aus- und Fortbildner/innen, Schulverwaltung, Schulentwickler/innen – sie dabei bestmöglich unterstützen können. Das ist der Fokus, das „Kerngeschäft“ von Schule, und gelingen kann es nur, wenn Profis am Werk sind, in allen Bereichen, auf allen Ebenen des Schulsystems.

    Profis wissen, neben aller Intuition und Erfahrung, warum sie was tun, sie orientieren sich an den wichtigsten Erkenntnissen der Forschung, beteiligen sich am Diskurs. Was das Lernen und Lehren angeht, wissen wir heute im Großen und Ganzen, was wirkt; SQA hat es in zwei Leittexten zusammengefasst: Über das Lernen und 6 Qualitätsbereiche von Unterricht und Schule. Sie bilden das eigentliche Herz von SQA; wer sich schlau machen will, sollte hier beginnen.

    Profis, die vor einer überfordernd komplexen Aufgabe stehen, sehen sich nach Unterstützung um. Die ist oft näher als man denkt – wenn man es denn schafft, Türen zu öffnen. Lehrerkollegien, ministerielle Sektionen, Pädagogische Hoch­schulen und Universitäten: Sie alle können ungeahnte Kräfte entwickeln, wenn sie zusammenarbeiten, sich organisieren, die Kräfte bündeln, wenn sie auf Basis individueller Expertise im Team arbeiten, professionelle Lerngemeinschaften bilden. Und wenn sie den Mut haben hinzuschauen auf das, was sie mit ihrem Handeln bewirken.

    Tun sie das alles, kommt unweigerlich der Moment, wo sie ihre wichtigsten Über­legungen, Ziele und Vorhaben festhalten müssen, sonst sind sie weg, Opfer einer verwirrenden Komplexität, eines herausfordernden, oft hektischen Berufsalltags. Das Aufschreiben, Zeichen gemeinsamen Wollens, von Verbindlichkeit und gesundem Menschenverstand; der Plan – der Entwicklungsplan – als unverzichtbares Arbeits­instrument: Was steht an? Wohin wollten wir schnell noch mal? Wer hat sich wozu bereit erklärt? Woran werden wir erkennen, dass wir erfolgreich sind? Und immer wieder: Stimmt eigentlich die Richtung noch? Nachlesen lohnt immer; einmal im Jahr ist Pflicht.

    Gegenseitige Unterrichtsbesuche von Lehrerinnen und Lehrern, Feedback im Kollegenkreis, gemeinsame Vorhaben über Schularten hinweg, bedarfsorientierte Fortbildung – so vieles können Entwicklungspläne enthalten. Und doch nur ein Stück Papier bleiben, wenn sie nicht gemeinsam überlegt, diskutiert, erstritten worden sind. Das eilig im stillen Kämmerlein „ausgefüllte Formular“ – wirkungslos, ein Missver­ständnis. Ohne Auseinandersetzung, Aneignung, ohne „Ownership“ der beteiligten Menschen wird nichts weitergehen, wird schon gar nichts nachhaltig bleiben.

    Der EP, ein Arbeitsinstrument also, das ganz en passant eine zweite wichtige Funktion erfüllt: Seriös und partizipativ erarbeitet, sind Entwicklungspläne ein wich­tiges Mittel der Rechenschaftslegung in einem Schulwesen, das, staatlich finanziert, zunehmendes öffentliches, sprich mediales Interesse erfährt. Was tun „die“ mit unserem Steuergeld, fragt sich die Bürgerin, der Bürger; bekommen wir auch das Beste für unsere Kinder? Berechtigte Fragen – und potenzieller Anlass für Schief­lagen: Qualitätsmanagement „hat man“ heutzutage, keine Organisation ohne QM-Beauftragte, Performance Reviews und Q-Berichte. Prozesse und Strukturen mit der unangenehmen Tendenz, sich zu verselbstständigen und dabei den eigentlichen Gegenstand aus den Augen zu verlieren. Daher auch die Strategie von SQA, das Management-Vokabular hintanzuhalten und unermüdlich auf den eigentlichen Sinn und Zweck der Übung zu verweisen: Kinder, Jugendliche, ihre persönliche Entwick­lung und die bestmögliche Unterstützung dabei – das Lernen und Lehren im weitesten Wortsinn also, darum geht es.

    Bleibt noch die Sache mit der Verbindlichkeit. Auch Schulsysteme sind nur so gut wie die Qualität ihrer Teile und deren Zusammenspiel, was wiederum einen großen Rahmen, ein gemeinsames, von der Gesellschaft legitimiertes Verständnis von Qualität voraussetzt. Um dieses herzustellen, braucht es heute mehr denn je den Ausgleich verschiedenster Interessen, im Großen wie im Kleinen, und es braucht Instanzen, verantwortliche Menschen also, die darauf achten, dass Ausgehandeltes, Vereinbartes, Festgelegtes auch eingehalten wird. Schauplatz und Brennpunkt des Geschehens in SQA: die Bilanz- und Zielvereinbarungsgespräche zwischen den Führungspersonen benachbarter Ebenen; hier prallen individuelle Ansprüche auf gesetzliche Bestimmungen, zeigen sich Spannungen zwischen Praxis und Vorgaben „von oben“, wird die Realität hinter etwaigen Kulissen sichtbar. Bei aller potenziellen Konflikthaftigkeit: „Anschaffen“ ist nicht mehr, Hierarchie ist nicht die Lösung, heute weniger denn je; was es braucht, ist Dialog – und Führung, als Garant für Orientierung, Unterstützung und Verbindlichkeit. Dialogische Führung, sei es im Klassenzimmer oder im Ministerium, ist daher ein Grundprinzip von SQA.

    Blauäugig, sagen manche. Auch nicht das Gelbe vom Ei, meinen die Unzufriedenen. Es bewegt sich was, sagen jene, die es ernsthaft versuchen.